Kvarnhult
Kvarnhult

Winteraufenthalt   2008/2009

 

Die Reise nach Kvarnhult

 

Bei strahlendem Sonnenschein mit frostigen -6°C starte ich zu Silvester gegen 11.15 Uhr hinauf in das Wintermärchenland.
Vor Hamburg holt uns der triste norddeutsche Winter ein: Nebel und kaum 50 Meter Sicht. Erst auf Fehmarn zeigt sich Schleswig-Holstein wieder im Sonnenlichte, welches auch während der Überfahrt auf der "Prins Richard" hinüber nach Lolland (Dänemark) das Wetter bestimmt. Nach 305 km Deutschland, 280 km Dänemark und 19 km Öresundpassage (Tunnel/ Brücke) öffnet sich mir gegen 18 Uhr das unendlich weite Königreich Schweden. 1450 km liegen vor mir.
Doch wer Schweden kennt, weiß, dass diese unendlich erscheinende Strecke weniger belastet als 600 km auf deutschen und auf dänischen Autobahnen.
Geringes Verkehrsaufkommen erwartet mich bis Jönköping, kaum ein Kraftfahrzeug begegnet mir bis Norrköping, welche Stadt ich zum Jahreswechsel erreiche. Kurz vor Stockholm holt mich die Realität des 21. Jahrhunderts ein: ab und zu begegnet mir doch noch ein motorisiertes Vehikel. Bereits auf Höhe der wunderschönen Stadt Uppsala, Sitz des Erzbischofs der Schwedischen Kirche und deren Verwaltungszentrale, kehrt dann wieder Stille ein: Bis hinauf nach Umeå, der Hauptstadt Västerbottens, sehe ich stundenlang kein Auto.

Ich darf erinnern, dass ich am 31.12. /1.1., also mitten im Winter, unterwegs bin. Doch von Winter keine Spur. Milde +1°C bis -3°C zeigt unser Thermometer an. Und Schnee? Fehlanzeige! Erst kurz vor Gävle, dem Tor zur Region Norrland (Schweden ist in die Großlandschaften Götaland, Svealand und Norrland gegliedert), sind endlich die ersten Schneefelder auszumachen und auch die angezeigte Temperatur von -7°C erinnert mich an die Jahreszeit. Gegen 9.30 Uhr geht über Sundsvall die Sonne auf, das Blau des Himmels verleiht der schneebedeckten Landschaft einen zartblauen Schimmer. Der Ångermanälv, ein mächtiger Strom, ist völlig vereist, die Temperaturen werden fortan bei -8°C bis -14°C liegen, und es ist richtig weiß, wenngleich die Schneedecke kaum mehr als 10cm beträgt. Seltsamerweise nimmt die Verkehrsdichte von Umeå an erheblich zu, und auch die ersten 100 km hinter Skellefteå in Richtung Malå herrscht ein Verkehrsaufkommen, welches eher an Deutschland als an Schweden erinnert. Auf Höhe der Kommune Norsjö zeigen die gemessenen -21°C und die geschätzte Schneehöhe von 50 cm an, dass mich von Lappland gerade noch 40 km trennen. Bei der Überquerung des Skäppträskans hinter Malå Richtung Springliden werden -23°C angezeigt.
Nach 2050 km Fahrt erreiche ich am Neujahrstag um 17.30 Uhr Kvarnhult. Es ist sternenklare Nacht, die Schneehöhe beträgt 60 cm, das Thermometer zeigt außen gnädige -11°C und im Haus +19°C an; was täte ich auch ohne den guten Bertil!

Sechs Wochen Wintermärchen liegen vor mir.

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© Bernd Klotz