Kvarnhult
Kvarnhult

Die Nordische Biene APIS MELLIFERA MELLIFERA - ein Naturerbe

Die Nordische oder Dunkle Biene, Apis mellifera mellifera, eigentlich Apis mellifica mellifica, war ursprünglich nördlich der Alpen und der Pyrenäen bis hinauf nach Skandinavien, auf den Britischen Inseln und im nördlichen Osteuropa, bis über den Ural hinaus, in verschiedenen Unterarten (Öko-Typen) verbreitet.
Diese an das Klima ihres Ursprungsraumes hervorragend angepasste Biene wurde durch Menschenhand insbesondere von der in Südosteuropa beheimateten Apis mellifica carnica (Kurzbezeichnung "Carnica"), einem Neozoen, einer "eingeschleppter " Biene also, aus ihren angestammten Regionen verdrängt, so dass sie heute in ihrem Fortbestand gefährdet ist.

Die Nordische Biene ist eine Biene des rauen Klimas und der Spättrachten. Meine hochnordischen Linien sind in Mitteleuropa allerdings absolut frühtrachtgeeignet.

 

Ihre Farbe reicht von dunkelbraun bis schwarz, je nach regionalem Typus. Sie ist kräftig, mit einem breiten Hinterleib und schmalen Filzbinden. Ihre Behaarung ist stärker und länger (Merkmal!) als jene anderer Rassen. Absolut kennzeichnend für die Dunkle Biene ist ihr Flügelgeäder, welches anders angeordnet ist als bei allen anderen Bienenrassen.


An den Messdaten des Geäders lässt sich folglich die Dunkle Biene mit absoluter Sicherheit identifizieren:

Das Geäder zeigt ungefähr folgende Werte:

Dunkle Biene
Cubitalindex 1,1
Hantelindex 0,92
Discoidalverschiebung - (negativ)

 

Carnica
Cubitalindex 1,8
Hantelindex 1,2
Discoidalverschiebung + (positiv)

Cubitalindex
a:b (Spanne bei allen Rassen 1,0-4,2; Carnica 2,3-4,0 bei Arbeiterinnen, 1,7-2,0 bei Drohnen).
Referenzwert (RW) bei der Dunklen Biene 1,5-1,9 bei Arbeiterinnen, 1,0-1,5 bei Drohnen.

 

Hantelindex
c:d (Spanne bei allen Rassen 0,8-1,2 / Mittelwert 0,94).
Referenzwert (RW)bei der Dunklen Biene (Mittelwert) 0,94 und darunter.

 

Discoidalverschiebung
Ein Discoidalwert von 0 - negativ ist ein untrügerisches Merkmal der Dunklen Biene.
Von der Mittellinie der Radialzelle "R" ist im rechten Winkel eine Messlinie über den Schnittpunkt H bis zur zweiten Linie der Discoidalzelle (2. Discoidallinie) zu ziehen. Gemessen wird der Abstand der Messlinie zum Punkt Di. Das Spektrum dieses Wertes bei allen Rassen liegt von positiv (Di liegt zur Flügelspitze hin) bis negativ (Di liegt zum Flügelansatz hin). Anders ausgedrückt: Schneidet die Hilfslinie den Punkt Di liegt der Discoidalwert bei Null, endet sie (auf Höhe der 2. Discoidallinie )außerhalb der Discoidalzelle, liegt ein negativer Wert vor; endet die Hilfslinie (auf Höhe der 2. Discoidallinie) innerhalb der Discoidalzelle, liegt ein positiver Wert vor.
Der Referenzwert bei der Dunklen Biene liegt bei 0 oder negativ (0 oder keine Discoidalverschiebung = die Messlinie liegt bei Di (dem Nullpunkt), oder negativ = Di liegt zum Flügelansatz hin). Alle anderen Rassen liegen im positiven Bereich.

Durch ihre starke Behaarung wird die Dunkle Biene in die Lage versetzt, bei niedrigeren Temperaturen als Bienen anderer Rassen zu fliegen, wobei ihr Flugradius grösser ist als jener anderer Rassen. Wegen ihrer geringeren Rüssellänge ist sie allerdings nur eingeschränkt "rotkleefähig"; dagegen verfügt sie über einen ausgeprägten Pollensammeltrieb.
An Sanftmut wird die reine (!) Dunkle Biene nur von der reinen Ligustica übertroffen. Zur Arbeit an reinen Dunklen Völkern sind Schutzkleider nicht erforderlich, Rauch nur bei ungünstiger Wetterlage und aus Gründen des Tierschutzes (Vermeidung des Erdrückens von Tieren)! Das Schwarmverhalten der heutigen reinen Linien ist günstiger als jenes der Carnica!

Der Cubitalindex im Vergleich:

Cubitalindex von ca. 1,09 (RW 1,0-1,5).

Hantelindex 0,82 (RW bis 0,94) und hervorragende negative Discoidalverschiebung eines Nordischen Drohn meiner Papulation.

Absolute Reinzucht. Besser geht es nicht.

Cubitalindex von ca. 1,52 (RW 1,5-1,9).

Hantelindex 0,90 (RW bis 0,94) und eindeutig negative Discoidalverschiebung einer Nordischen Arbeiterin meiner Papulation. Auch hier stimmen die Werte absolut. Eine "unverfälschte" Apis mellifica mellifica.


Cubitalindex von ca. 2,22,
Hantelindex 1,0 und positive Discoidalverschiebung einer "Landbienen" Arbeiterin aus der Region Skellefteå.

(Entspricht z.B. Carnica/Ligustica)

Flügelindes eines Carnica-Drohn aus original Celler Linie. Der Cubitalindex liegt bei dem guten Wert 2,00 (RW 1,7-2,3). Auch der Hantelindex von 1,0 (RW über 0,94) ist Carnica typisch. Doch die gerade noch im positiven Bereich liegende Discoidalverschiebung verweist nicht auf absolute Reinzucht.

Hier eine excellente "Celler Carnica-Arbeiterin" mit einem Cubitalindex von 3,1 (RW 2,3-3,0), einem Hantelindex von 1,14 (RW über 0,94) und mit einer positiven Discoidalverschiebung.

Flügelindex der Ligustica (oben Königin CI 2,3; HI 1,08 / unten Arbeiterin CI 2,2; HI 1,0 [RW CI 2,3-3,0 / HI über 0,94], Discoidalverschiebung positiv). Beide Tiere zeigen hervorragende Werte.

Die Nordische Biene überwintert in starken Völkern (und als Folge der langen brutfreien Zeit!) bei geringstem Futterverbrauch unter allen Rassen. Sie ist eine "Meisterin" des problemlosen überwinterns (s. auch bei nachfolgend "Immer wieder..."). Ihr Brutgeschehen setzt später ein als jenes anderer Rassen, es entwickelt sich ab Ende April jedoch explosionsartig und wesentlich stärker als bei anderen Rassen. Im Mai/ Juni (in Nordschweden Mitte Juni bis Ende Juli) erreicht die Volksentwicklung ihren Höhepunkt, welcher dann bis zum Ende der Heidetracht (in Nordschweden Ende August/Anfang September) anhält. Danach bereitet sie sich zügig auf die Einwinterung vor, indem sie das Brutgeschehen überraschend schnell reduziert und Ende September (in Deutschland Ende Oktober) völlig einstellt. Das Schwarmverhalten der heutigen reinen Linien ist fast günstiger als jenes der Carnica!

 

Die lange brutfreie Zeit wirkt der Entwicklung der Varroen entgegen. Gerade diese Eigenschaft, gepaart mit den weiteren positiven Eigenschaften dieser bei uns einst heimischen Biene, wird von nahezu allen Imkern und insbesondere von Instituten nicht erkannt.
Ich bin der Überzeugung, dass Völker der Dunklen Biene wegen ihres Brutverhaltens im Winter den Varroen eine weit geringere Chance der Reproduktion bieten als alle anderen Rassen. Mit einer Varroabehandlung im Spatherbst und wäre eine Reinvasion aus Nachbarvölkern anderer Rassen / Schläge ausgeschlossen, könnte aus meiner Sicht auf weitere Varroabehandlungen an Dunklen Völkern verzichtet werden.
*)Die lange brutfreie Zeit der A.m.m. ist ursächlich für deren geringem Futterverbrauch von ca. 10 kg (in D) bis 14 kg (in Lappland) Reinzucker; und alleine die länger währende oder durchgehende Brutdauer aller übrigen Rassen ist ursächlich für deren höheren Winterfutterverbrauch von bis zu 14 kg Reinzucker z.B. bei der mir in Peine gepflegten Ligustica!
Die längere brutfreie Zeit der Apis mellifera mellifera entwickelte sich im Verlaufe der Evolution und verfestigte sich genetisch als Überlebensstrategie der Nordischen Biene auf die lange trachtfreie Zeit im Norden. Mit dem höheren Winterfutterverbrauch der Carnica, Buckfast und insbesondere der Ligustica , welche selbst in Nordschweden durchbrütet, ist der Beweis für diese These angetreten, ohne Brutverlaufskontrollen durchführen zu müssen.

Arbeiterinnen der Elgon-Biene aus meinem Reinzucht-Test-Volk (Österlund-Königin) - 28.4.09

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass man in Schweden absolut keine Rassenideologie kennt, wie sie in Deutschland, vornehmlich bei Carnica-Leuten, noch immer anzutreffen ist. Leider geht die Entwicklung bei Liebhabern der Dunklen Biene inzwischen in dieselbe Richtung: Es werden keine anderen Bienen als die Dunklen akzeptiert!

Ich mag alle Bienen und ich habe absolut kein Verständnis für einen solchen Rassenfanatismus.

 

Alle Bienen sind es Wert geschützt und gepflegt zu werden!

Der in Schweden vorkommende Typus der Apis mellifica mellifica:

In der in Schweden vorkommenden Unterart der A.m.m. ist ein eigenständiger Typus der Dunklen Biene zu sehen. Ich bezeichne diesen Typ (vor allem jenen in Nordschweden) als Apis mellifica mellifica Linnaeus (suecica).

Allerdings führt die Einteilung nach "Stämmen" in die Irre, siehe dazu nachfolgend.

 

Bereits im 18. Jahrhundert beschreibt Samuel Linneus, der Bruder von Carl von Linné, diesen schwedischen Typ als friedsam, schwarmträge und als fleißig (en fromma, svärmtröga och flytiga bi).

 

Im 19. Jahrhundert, besonders in dessen zweiter Hälfte, begann man in Schweden mit der Einkreuzung der zu jenem Zeitpunkt in Deutschland bereits nicht mehr rein vorkommenden A.m.m. lehzeni (Deutsche Heidebiene) in die schwedischen Bestände der A.m.m.; ein schwerwiegender Fehler, wie es sich im Blick auf die daraus folgende starke Schwarmneigung bestätigte.

Aber auch heute werden von einzelnen Züchtern immer wieder Dunkle des Types Flekkefjord (N), deren Schwarmverhalten ausgeprägter ist als jenes reiner schwedischer Linien, und Läsö (DK) eingekreuzt und so die alte schwedische Stammform verfälscht und damit insbesondere die Schwarmfreude gefördert.

Allerdings besteht generell das Problem einer recht schmalen Zuchtbasis der Schwedischen Dunklen, was damit kaschiert wird, als man die Nachzuchten stets unter dem Namen des Mutterstammes führt, obwohl sie über die Drohnenstämme durchaus eng verwandt sein können. Somit kann man den einzelnen schwedischen Stämmen auch keine spezifischen Eigenschaften zusprechen, so wie ich es in einem Forum nachlas. Das sind Zufallseigenschaften oder Momentaufnahmen, welche sich bei einer anderen Königin des selben Stammes, insbesondere von einem anderen Züchter oder aus einem anderen Jahr, völlig anders darstellen können.

Speziell einige Stämme aus dem Jämtland sind insofern problematisch, als ihre

Herkunftsorte, nach denen sind die meisten Stämme der schwedischen Dunklen benannt, so eng beieinander liegen, dass man sie besser als "Jämtland" bezeichnete.

Man sollte sich auch nicht der Illusion hingeben, zu glauben, man könne Inzucht innerhalb eines "Stammes" dadurch vermeiden, indem man Königinnen eines "Stammes" in Südschweden und in Nordschweden kauft. In Schweden ist der Brutaustausch gang und gäbe, so dass man beim Kauf von Königinnen eines "Stammes" in Nord und in Südschweden, durchaus Schwestern erwerben kann.

Seltsam ist es, dass immer mehr "Stämme", zumeist nach Orten bezeichnet, in Erscheinung treten. Da frage ich mich schon, wo die auf einmal herkommen. Aber gut, ich für mich bezeichne meine Dunklen ja auch als Kvarnhult, obwohl sie auf verschiedene Stämme zurück gehen. Zu meiner Entschuldigung führe ich an, dass zu Beginn meiner Zucht die Stammesbezeichnung nachrangig war oder so gut wie nicht vorkam und auch kein Zuchtbuch im heutigen Sinne geführt wurde. Es waren ganz einfach A.m.m., mit dem Habitus und mit den Genomwerten der Dunklen Biene. Und ich denke, dabei hätte man es belassen sollen: Die "Dunkle Schwedische Biene". Diese ganzen Stammesbezeichnungen sind im Grunde ein Selbstbetrug.

Um es zusammenzufassen: Es gibt keine reinen schwedischen Stämme als solche, sondern nur reine schwedische Dunkle Bienen. Und es gibt folglich auch keine speziellen Eigenschaften der einzelnen "Stämme", sondern nur solche der Schwedischen Dunklen Bienen.

 

Zeitgleich wurden auch die ersten Königinnen der A.m.carnica (Kärntnerbiene) eingeführt. In neuerer Zeit kamen die Ligustica (A.m.ligustica) in den Unterarten "Lederbraun", "Gelb" und die amerikanische Zuchtlinie "Gelbe Taber" sowie die "Kunstrassen" Buckfast (entstanden aus dem englischen Typ der A.m.m. und der lederbraunen A.m.ligustica, und die Elgon - eine neue schwedische Schöpfung aus Buckfast, der dunklen A.m.monticola und der gelben A.m.sahariensis , deren um ein / zwei Tage geringere Entwicklungszeit bei allen Bienenwesen im Verbund mit der geringeren Zellgrösse die Entwicklung der Varroen hemmen "soll") hinzu.

Bei der heute in Schweden allgemein vorkommenden A.m.m. überwiegt nach deren Habitus und nach deren Verhalten der alte schwedische Typus.

 

Durch eine strenge Zuchtauslese wurde die stärkere Schwarmneigung, ein Erbe der Heidebiene, spürbar vermindert; ebenso die Neigung zur Kalkbrut, (welche wegen meiner speziellen Völkerführung in meinen Beständen kaum mehr vorkommt), aber für Anfänger oder schlecht beratene Kollegen bzw. Kolleginnen durchaus noch ein Problem darstellt. Ziel des Zuchtgeschehens ist es, die durchweg positiven Eigenschaften des alten schwedischen Typs wieder zu erreichen. Heute kann ich sagen, dass dieses Ziel erreicht wurde. An das Problem der Flekkefjordeinkreuzung (lehzeni) sei erinnert (s.o.).

 

Die in Nordschweden vorkommenden "Stämme" wurden fast (teilweise völlig - z.B. im Jämtland) rein erhalten,

 

Mit ihrem äußerst friedsamen Verhalten und mit ihrer dunkelbraunen bis schwarzen Farbe entsprechen sie dem alten schwedischen Ökotypus.
Sämtliche erstmals dem Projekt Nordbi zur Zucht zugeführten Königinnen werden genom-analysiert. Somit stammen alle Nachzuchten (folglich auch als Drohnen) aus genom-analysierten Müttern. Eine weitere Flügelvermessung, wie es einige Dunklen-Enthusiasten in Deutschland inzwischen praktizieren und propagieren, ist aus meiner Sicht nicht geeignet den Zuchtwert der Tiere, sonden um deren Preise zu erhöhen. Diese Maßnahme ist also eine entbehrliche Spielerei!

 

Ein Problem möchte ich nicht verschweigen: Die Schwedische Dunkle Biene neigt mehr oder minder zur Kalkbrut, wobei eine Herkuft (nicht ein "Stamm!") besonders auffällt. Ob dies eine allgemeine Eigenschaft aller Dunklen ist kann ich nicht beurteilen, weil ich nur die Schwedischen Dunklen kenne. Der Pfleger dieser Biene muss Idealist sein und er muss ein gutes Gespür dafür haben, wie man dieses Problemes durch entsprechende Völkerführung "Herr" wird. Imker, welche das schnelle Geld, sei es durch Königinnenvermehrung oder durch gefüllte Honigtöpfe, im Auge haben, sollten von der Dunklen Biene lassen.

 

IMMER WIEDER wird von Imkern und Imkerinnen, welche noch niemals eine reine (!) Apis mellifica mellifica sahen, geschweige denn ein Volk pflegten, behauptet, Dunkle Bienen seien stechwütige Monster. Auch wird die angebliche "erhöhte Agressivität" bei Carnica x A.m.m. - Kreuzungen regelmäßig der A.m.m. zugeschrieben. Ich frage mich, woraus diese "Fachleute" ihr Wissen um die A.m.m. schöpfen?
So beschreibt ein hessisches Institut in seiner HP die A.mellifera mellifera als "nervös und reizbar", Eigenschaften, die gewiss nicht auf eigene Erfahrungen dieser Fachleute zurückzuführen sind. Und wenn Bienenzuchtberater die lange brutfreie Zeit der Apis mellifica mellifica nicht als rassespezifische Eigenschaft wahrnehmen, sondern dieses Verhalten auf die langen und kalten Winter in Lappland zurückführen (wobei diese die brutfreie Zeit freilich weiter verlängern!), so spricht das für sich. *)Die längere brutfreie Zeit der Apis mellifera mellifera entwickelte sich im Verlaufe der Evolution und verfestigte sich genetisch als Überlebensstrategie der Nordischen Biene auf die lange trachtfreie Zeit im Norden (mehr siehe oben).

Ich bin der Überzeugung, dass all diese negativen Äußerungen über die Nordischen oder Dunklen Bienen auf nicht belegten und nicht belegbaren Überlieferungen beruhen, und so beruft sich jeder im Grunde am Ende auf den selben Unsinn!

Sehr bedenklich sind dann Äußerungen, wie ich sie am 3.1.2015 in einer mail lesen konnte:

"Ich kenne nur einen Imker der die Schwarze hier in .... hat - aber er leugnet es vor dem Verein, da er dort nicht gesteinigt werden will.
Er hat zwei Stände, der eine mit Carnica (allen bekannt) und der zweite
mit der Dunklen - den Vereinsmitglieder unbekannt ;) .... Die Vereinsmitglieder rühmen sich einen Drohnenschirm über .... mit Carnica ausgebreitet zu haben"
!

Für mich gibt es für solche nur eine Bezeichnung: Dummimker!
Eine interessante Sichtweise vertritt Pfarrer F. Gerstung in seinem Lehrbuch aus den Jahre 1910: "Durch dieses Einführen von fremdrassigen Bienenstämmen ist der Bienenzucht unendlicher Schaden zugefügt worden. ...Um aus dieser Schwierigkeit ... heraus zu kommen, hat man nun die Losung ausgegeben, daß man die alte Deutsche Biene wieder rein züchten müsse. Aber wo ist diese heutzutage noch rein zu finden ...". Er beschreibt übrigens die "Deutsche Biene" als eher -den Beweis für die Richtigkeit dieser Aussagen sehen wir täglich um uns-schwarmfaul als schwarmlustig, der Krainer Biene (Carnica) indessen schreibt er einen starken Schwarmtrieb zu!

 

Viele SELBSTBERUFENE FACHLEUTE, so auch der Zuchtobmann des Landesverbandes der Hannoverschen Imker in einer mail an mich, meinen zu wissen, dass besonders bei F1 und nachfolgenden Generationen eine erhöhte Agressivität zu befürchten sei. Woher diese Leute das wissen ist mir ein Rätsel. Fakt ist, zumindest bei meinen Stämmen, dass sowohl F1- als auch F2-Generationen genau so friedfertig sind wie Reinzuchten. So konnten sich der Vorsitzende der Peiner Imker, der zugleich Vorsitzender des Landesverbandes der Hannoverschen Imker ist, und sein Adlatus bei der Futterprobenentnahme im Frühjahr 2013 von der absoluten Friedfertigkeit meiner Reinzuchten und eines F1-Volkes überzeugen. Ohne Schutzkleidung und ohne Rauch konnten die Proben entnommen werden und es tat nicht weh. Auf das Verhalten meiner Völker angesprochen meinte der Landesverbandsvorsitzende, nichts anderes erwartet zu haben; eine erfreuliche Einstellung aber irgend wie seltsam, kann ich da nur sagen! Zu F2-Generationen darf ich bemerken, dass ich derzeit, wir haben September 2013, ein solches Volk besitze, welchem ich eine meiner aus Kvarnhult mitgebrachten Reinzuchtköniginnen zusetzen wollte. Bei der Honigentnahme am 19.9.13 (drei Völkern ließ ich während meines Aufenthaltes auf Kvarnhult den Honigraum), überzeugte dieses F2-Volk durch außergewöhnliche Friedfertigkeit (und Leistung!).

Hier zeige ich ein F1-Volk (Aufnahme ebenfalls gegen 17.30 Uhr) mit einer im Trentelmoor begatteten Königin. Sämtliche (!) Bienen weisen den Habitus der Dunklen Biene auf. Keine einzige Biene zeigt eine Abweichung.

Ich muss gestehen, dass ich mit einem solchen Paarungsergebnis nicht rechnete, denn in einer Entfernung von 600 m Luftlinie befinden sich "Carnica-Verschnitt" Völker. Manche Bienen scheinen an den ersten beiden Segmenten leicht orange eingefärbt zu sein, was täuscht: es sind die braunen Haare im Abendsonnenlicht und Lichtreflexe.

Doch vermutlich kamen meine Dunklen Buben dank meiner gezielten Drohnenzucht den "Cuvée-Drohnen" meines Nachbarn zuvor. Und auch dieses F1-Volk ist an Friedfertigkeit nicht zu toppen!

Weder Schutzkeidung noch Rauch zur prophylaktischen Beruhigung waren notwendig! Dieser fast mit "Ligustica" gleichzusetzender Friedfertigkeit wegen beließ ich die F2-Königin in ihrem Volke, um mit ihm im Bedarfsfalle nachzuweisen, dass alles Geschwätz um die Agressivität solcher Generationen jeder Grundlage entbehrt.


Wenn ich heutzutage gelegentlich angegriffen wurde, so von Buckfast- oder Carnicastämmigen Bienen, an welche ich gelegentlich durch Schwärme gerate.

 

An dieser Stelle möchte ich meinem Heimatverein Peine ein Lob aussprechen, der es mir ermöglichte, im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung am 6.2.2010 über die Nordische Biene und über "mein Kvarnhult" vorzutragen!

 

Geschehen am 21.10.2010
Zur Sanftmut meiner Dunklen:
Bei regnerischem Wetter und +4° stellte heute ein Volk meiner Dunklen auf den Stand eines befreundeten Imkers im Kreis Peine. Dabei geschah das Unglück, dass sich die Beute beim Aufstellen am Boden und am Deckel öffnete. Es stoben sehr viele Bienen aus der Beute, flogen mich stark an, gingen in großer Zahl auf meinem Kopf nieder, doch ich bekam lediglich von einer Biene, welche sich in meinen Pulloverkragen verirrte und gedrückt wurde, einen Stich ab. Nach 10 Minuten kehrte Ruhe ein, und alles war gut! Mein lieber K.H., der zwei Dunkle Völker pflegt, war beeindruckt!

 

Nachfolgend die per e-mail übermittelten Eindrücke und ersten Erfahrungen eines jungen Imkers (mit hohem Fachwissen) aus dem Landkreis Peine nach der Betrachtung (mit Durchsicht) und der späteren Übernahme eines 6-Waben-Volkes der A.m.m.:

 

21.5.2009
Guten Abend Herr Klotz,
wir waren von der Sanftmütigkeit der Dunklen mehr als nur überrascht...
MfG
Hannes
PS: ich habe dieses Wochenende damit begonnen, einen Teil meiner Wirtschaftsvölker mit Carnica Troisek (F1) Königinnen zu beweiseln. Dabei ist mir der Unterschied zur Dunklen noch einmal sehr deutlich geworden, die umzuweiselnden Völker waren relativ aggressiv (vermutlich wegen der Gewitterluft), sogar die Troisek Völker waren stechmütig. Die Dunkle Biene hingegen "startete" nicht einmal mehr einen Angriffversuch, selbst nachdem ich mit der Sense den Einflugbereich des Volkes von Pflanzen befreite.

 

3.6.2009
Guten Abend Herr Klotz,
hier nun endlich mein "Erfahrungsbericht" zur dunklen Biene, leider hat es einige Zeit gedauert, da ich auch noch gerne den Eindruck meiner Eltern mit einbringen wollte, die bis jetzt dahin Bienen sehr ängstlich gegenüberstanden, aber von der Dunklen mehr als begeistert sind.
Das Völkchen übertrifft in seinem Fleiß alle Völker, die ich bisher gesehen habe, bereits vier Tage nach dem Aufstellen am Stand waren die fünf Mittelwände ausgebaut und nahezu bis an die Randwaben bestiftet. Heute habe ich dem Volk die zweite Zarge mit elf Mittelwänden gegeben, da sich die Bienen in allen Wabengassen drängten und zudem eine große durchgehende Brutfläche vorhanden war. Da ich ab morgen acht Tage in Dänemark bin, bin ich doch sehr gespannt, wie sich die fleißigen Dunklen innerhalb dieser Zeit entwickeln werden.
Ihnen einen schönen Gruß aus Deutschland
Hannes

 

Mail vom 2.7.09
Guten Tag Herr Klotz,
nachdem ich nun aus dem Urlaub zurückgekehrt bin und wieder einige Zeit mit den Bienen verbracht habe, möchte ich Sie über den Entwicklungsstand der Dunklen Biene informieren:
Nachdem ich also eine Woche in Dänemark verbracht habe, stellte ich fest, dass es das Volk trotz Regenwetters geschafft hatte, einen Teil der zweiten Zarge (nur Mittelwände) zu besetzen. Inzwischen (etwa 2- 3 Wochen nach der Zugabe von 11 MW) besetzt das Volk auch die zweite Zarge und verlagert das Brutnest allmählich in die obere Zarge. In der unteren lassen sich nun bei (fast) jeder Durchsicht bestiftete Schwarmzellen finden. Als mir dies das erste mal auffiel, war ich zunächst ein wenig verunsichert; bei einer Veranstaltung des Imkervereins unterhielt ich mich dann mit Andreas G... (Anm.: er betreut auch ein A.m.m.-Volk von mir), der mir erzählte, dass die Mellifera bestiftete Zellen auch wieder zurückbauen würde. Neugierig wie ich nun einmal bin markierte ich am nächsten Tag ein Rähmchen mit bestifteter Zelle mit einem Reißnagel, zwei Tage später sah ich nach und stellte fest, dass die Zelle tatsächlich wieder abgetragen wurde.
Bezugnehmend auf den Schwarmtrieb würde ich sagen, dass er zwar allgegenwärtig ist, aber bei langem nicht so "hartnäckig" wie bei der Carnica.
Momentan haben wir hier fast 30°C und das bei einer furchtbar drückenden Temperatur. Sobald ich den Bienenstand erreiche und hier und da einen Blick auf (und in) die Fluglöcher werfe, werde ich von wütenden Arbeiterinnen attackiert (Anm.: Sklenar u. Troisek). Die Ausnahme bildet wieder die Mellifera, hier kann ich bis auf weiteres auch ohne Schutz und Rauch die Schwarmkontrolle durchführen - also ein weiterer Vorteil gegenüber der Carnica.
Soviel zu meinen Beobachtungen.
Sonnige Grüsse aus Peine,
Hannes

 

19.12.2009
Hier die Mail eines Kollegen aus Thüringen, die mich heute erreichte. Er kann nun auf eine Saison mit zwei Dunklen aus Kvarnhult zurückblicken. Seine Beurteilung meiner beiden Mädchen und ihrer Völker deckt sich mit meinen Erfahrungen mit der Dunklen Biene. Dennoch kommt immer wieder Freude in mir auf, von Kollegen, welche die Dunkle pflegen, solche Erfahrungen mitgeteilt zu bekommen:

 

Hallo Bernd,
... möchte ich natürlich nicht die Gelegenheit verpassen, Dir und Deiner Familie schöne und besinnliche Weihnachten sowie einen guten Rutsch ins Neue Jahr zu wünschen.
Bedanken möchte ich mich auch noch einmal für die beiden Königinnen. Sie haben prachtvolle Völker aufgebaut und ich bin sowohl von ihrer Sanftmut als auch von gesamten Verhalten mehr als begeistert. Sie gefallen mir so gut, dass ich im neuen Jahr meinen gesamten Bestand auf die Dunkle umstellen werde.
Viele Grüße aus dem sehr kalten Thüringen
Silvio

 

21.03.2010
Viele Imkerkollegen aus Peine stellten mir schon die Frage, ob die Dunklen zur Frühtracht genügend stark seien.
Nachfolgend die Betrachtung eines Imkerfreundes aus Thüringen:

 

"Hallo Bernd,
der Winter ist vorbei und ich möchte Dir kurz berichten. Am 16. März war bei mir der Reinigungsflug. Zu meinem Erstaunen waren meine beiden dunklen Völker die ersten die ausflogen. Es waren auch die ersten die mit dicken Pollenhöschen ankamen.
Ich war bis jetzt der Meinung, dass die A.m.m. es im Frühjahr langsamer angehen lässt. Das Alles bestärkt mich natürlich in meinem Vorhaben, alle Völker auf A.m.m. umzuweiseln.
Viele Grüße,
Silvio

 

Meine Antwort:
Ein Indiz mehr, dass die Apis mellifica mellifica von keiner anderen Rasse übertroffen wird!
Die Nordischen haben wohl die längste (absolute) brutfreie Zeit unter allen Bienenrassen, doch in milden Lagen ist Mitte/Ende März auch für sie die Winterruhe zu Ende (in Lappland Mitte/Ende April). Und gehen sie in Brut, so legen sie gewaltig zu. Deshalb ist es eine Mär, die A.m.m. sei für die Nutzung von Frühtrachten nicht geeignet.

 

BEWERTUNG EINES DUNKLEN VOLKES durch einen Reinzüchter der Buckfast.
Nach Abschluß der Zucht 2010 bekam er von mir eine auf Kvarnhult gezogene und im Trentelmoor überwinterte Königin. Hier die verkürzte Bewertung des überzeugten Buckfastimkers:

"Die Königin hat sich gut gemacht. Als sie im Mai kam, setzte ich sie auf drei Brutwaben. Im letzten Jahr honigte es bei mir bis Anfang August, so konnte ich aus diesem Volk noch 25 kg schleudern. Gestochen wurde ich nicht einmal. Anfangs hatte ich etwas Bedenken (es sind ja sehr viele Räubergeschichten über die dunkle Biene im Umlauf), machte meinen Smoker an usw. Aber nichts. Später zog ich gelegentlich Brutwaben um nachzuziehen, alles ohne Rauch, nur mein obligatorisches Zigaretterl im Mund. Schwarmzellen wurden auch keine angesetzt, obwohl das Volk wie gesagt noch eine Honigernte abgab und nicht das schwächste Volk auf dem Stand war."

 

Überzeugender kann man die Dunkle nicht beurteilen. Und wenn diese Beschreibung aus der Feder eines eingefleischten und bekannten Buckfastimker stammt, so ist ist der Beweis angetreten, dass das Geschwätz von der Stech- und Schwarmlust der Dunklen wirklich Räubergeschichten sind, ganz wie es der Kollege darstellt.
Ich möchte an dieser Stelle nicht verhehlen, dass es Imker gibt, welche mit den Dunklen nicht zurecht kommen, wie ich es bei einem Kollegen selbst feststellen konnte. Doch sei fairerweise darauf hin gewiesen, dass dieser zunächst enthusiastisch eingestellte Kollege, der sich inzwischen von der Dunklen wieder verabschiedete, in meinem Beisein auch von seinen Buckfast stets heftig alltackiert wurde. Manche Menschen gegen wohl Pheromone ab, welche den Immen als "Rotes Tuch" erscheinen mögen! Ehrlich wie ich bin sei ergänzend bemerkt, dass letztlich die angeblich zu geringe Honigleistung mit ursächlich für den Rückzug war. Stelle ich dieser Begründung die positiven Erfahrungen vieler Kolleginnen und Kollegen, welche sie mir berichteten, entgegen, so liegt sicher nicht bei der Dunklen etwas im Argen? ;-)

 

Apis mellifica mellifica oder Apis mellifera mellifera?

Was nun, Apis mellifica mellifica oder Apis mellifera mellifera? Nach der Zoologischen Nomenklatur natürlich Apis mellifera mellifera! Diese Bezeichnung wird der Honigbiene jedoch nicht gerecht, weil die Biene nicht den fertigen Honig, sondern Nektar "(ein-)trägt", und daraus Honig macht. Als Carl von Linné, Schöpfer dieser Nomenklatur, seinen Irrtum erkannte war es zu spät, denn einmal eingetragen, immer eingetragen. Und so trägt die Honigmachende ("mellifica") irrtümlich den falschen Namen Honigtragende ("mellifera"). Ich möchte dem hohen Wert der Honigbiene gerecht werden, weshalb ich ganz für mich dieses wichtigste Tier der Erde als Honigmachende ("mellifica") bezeichne. In der Dunklen Biene sah Carl von Linné wohl die Urbiene, was für den Raum nördlich der Alpen und der Pyrenäen bis hinein zum Ural natürlich auch zutrifft, deshalb Apis mellifera mellifera!
Bemerkungen zu Carl von Linné siehe "Verschiedenes- Carl von Linné"

Wegen des hohen Betreuungsaufwandes (Schwarmkontrolle) stellte ich in Peine ab 2017 die Pflege der Dunklen Biene eing und wende mich der pflegeleichten Ligustica und VSH-Ligustica zu. Das ist nicht gegen die wunderbare Dunkle Biene gerichtet, es hängt mit den Folgen meines Unfalles im Februar 2014 zusammen.

Wegen meiner angeschlagenen Gesundheit und um mir die jährlichen Fahrten in den Hohen Norden im April zu ersparen werde ich im Sommer 2017 auf Kvarnhult die Imkerei aufgeben.

(Juli 2017)

 

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© Bernd Klotz