Kvarnhult
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AUERHUHN (Tetrao urogallus)

Das Auerhuhn, ein Standvogel, gehört innerhalb der zoologischen Systematik zur Ordnung der Hühnervögel, zur Familie der Fasanenartigen und schließlich zur Unterfamilie der Raufußhühner.
Diese Klassifizierung gilt auch für das Birkhuhn, das Haselhuhn, für das Moorhuhn und für das Schneehuhn. Dieser größte wildlebende Vogel Europas besticht durch seine Ästhetik, seine imposante Größe von bis zu 94 cm (von der Brust zur Schwanzspitze gemessen), einer Flügelspannweite bis zu 90 cm und einem Gewicht bis zu 6,5 kg bei Hähnen. Die Hennen sind mit 60 cm Länge, 70 cm Flügelspannweite und einem Gewicht von ca. 2,5 kg deutlich geringer.

Ein stolzer Auerhahn. Getroffen am 8. Juli 2008, 4.15 Uhr

Die Schwingenoberseite des Hahnes ist von dunkelbrauner bis dunkelgrauer Farbe, weshalb die Körperoberseite bei geschlossenen Schwingen diese Farbgebung zeigt. Hals und Kopf sind fast schwarz, die Brust weist einen schwarzgrünlichen Schimmer auf, welcher an Metall erinnert. Die Bauchseite ist braun-grau gesprenkelt. Der Stoß (Schwanz) ist dunkler gesprenkelt, und am Ende mit einer fast schwarzen Binde gezeichnet. Die Füße oder Ständer sind befiedert, die Zehen weisen seitlich austretende Hornstifte auf, woraus sich die Bezeichnung Raufußhühner ableitet. Der Bart unter der Kehle ist ganz deutlich zu erkennen, ebenso die sogenannte Rose, ein roter Hautbogen über den Augen. An der Vorderkante, dem Bug, der geschlossenen Flügel ist ein weißer, rautenförmiger Fleck, der Spiegel, deutlich zu erkennen.

Küken führende Auerhenne, aufgenommen auf der Wiese direkt am Haus. Von Scheu, wie immer behauptet, keine Spur!

Die Henne ist im Vergleich zum Hahn recht hell gefärbt, aus der Ferne erscheint sie bräunlich-grau gesprenkelt. Ihre Oberseite ist braun mit schwarzen und grauen bis weißen Binden. Der Bauch ist braun-grau gesprenkelt, Brust und Kehle sind von rostroter Farbe. Ihr Bart ist grau-braun, der typische Spiegel ist unschärfer ausgeprägt als beim Hahn. Ihre Ständer sind ebenfalls befiedert und an den Zehen mit Hornstiften versehen. Auerhennen sind recht vertraut.

Auerhennen, aufgenommen am 6./15. Mai 2008

Winterlosung des Auerhuhns. Die Verdauungsreste der Kiefernnadeln sind gut erkennbar.

Das Auerhuhn ist ein Vogel der dichten Wälder mit reichlichem Unterwuchs, insbesondere von Heidelbeeren.
Sein Vorkommen beschränkt sich auf die boreale Zone Eurasiens, sowie der großen Nadelwaldgebiete in Mittel- und Hochgebirgslagen. Der tagaktive Vogel verbringt die Nacht auf sogenannten Schlafbäumen. Als Nahrungsgrundlage dienen vor allem Heidelbeeren und deren Blätter, Sämereien und Pflanzensprösslinge. Im Winter weidet das Auerwild insbesondere die Knospen und Nadeln von Tanne, Fichte und vorzugsweise, in der Winterlosung leicht erkennbar, Kiefer ab.

Eine Gruppe Auerhähne (auf einer Birke).

Es gibt Kiefern, welche von den Auerhühnern besonders bevorzugt werden, was an den kahl gefressenen Zweigen gut auszumachen ist. Hinzu kommen Knospen verschiedener Laubbäume. Im hohen Norden graben sich die Tiere durchaus auch durch den Schnee, und bilden Gänge, um so an noch vorhandene Heidelbeeren und deren Blätter zu gelangen. Zur besseren Aufbereitung der Nahrung nehmen die Tiere kleine Steinchen, so genannte Gastrolithen, auf. Die Aufnahme dieser Verdauungshilfen ist hier oben besonders im Frühjahr an den Rändern der allmählich vom Schnee befreiten Strassen zu beobachten.
Die einzeln lebenden Tiere bilden Reviere, wobei sich die Reviere von Hähnen und Hennen überschneiden können. Im Winter bilden sie häufig Gruppen.

Die Auerhahnbalz beginnt hier oben Ende März, sie währt bis zum so genannten "Mausohrstadium" der Birkenknospen, welches etwa Ende Mai einsetzt. Auf "hoher Warte" einer alten Kiefer z.B. setzt zu früher Stunde, hier oben gegen 3 bis 4 Uhr, die Baumbalz ein.
Bei diesem einmaligen Naturschauspiel zeigt der "Große Hahn" seine ganze Pracht und das beeindruckende Repertoire seines Balzgesanges. Aufgerichtet, den Kopf dem Himmel zugewandt, den Stoß zum Rad gefächert, leitet er seinen Gesang mit dem so genannten "Knappen", einem immer schneller werdenden "idipp..idipp..idipp..idipp" ein, welches sich am Ende wie ein trillern anhört; mit dem an das Herausziehen eines Korken erinnernden "klock", folgt der so genannte "Hauptschlag", danach das "wetzen" genannte "sch…sch…sch…sch…sch…". Während des "..sch..sch.." ist der Hahn blind, welcher Zustand von den Jägern sehr gerne genutzt wird, sich dem Tier zu nähern.


Der Balzruf zusammenhängend: "idipp….idipp..idipp.idippidippidipp - klock - sch..sch..sch..sch..". Es folgt die Bodenbalz nach dem selben Ritual, dabei treffen die Kämpen aufeinander. Dem als Sieger aus dem Balzgeschehen hervorgehenden Hahn kommt das Recht des Tretens der am Rande des Balzplatzes versammelten Hennen zu.


Einige Tage nach dem Tretakt beginnen die Hennen mit der Eiablage, welche ca. 10 Tage währt. Das Gelege mit durchschnittlich 8 bis 10 Eiern wird 27/28 Tage bebrütet. Im Alter von zwei bis drei Wochen sind die Küken flugfähig.
Leben die erwachsenen Auerhühner überwiegend von pflanzlicher Nahrung, so sind die Küken in ihren ersten Lebenswochen auf rein tierische Nahrung, Insekten einschließlich ihrer Stadien, Würmer und Schnecken, angewiesen. Der Familienverband, auch Gesperre genannt, löst sich Ende September auf, wobei zu beobachten ist, dass die Geschwister, getrennt nach Geschlecht, bis zum Frühjahr beisammen bleiben.

 

Eine zweite Balz, zur Revierabgrenzung, erfolgt von Ende August bis Ende September.

 

Der Auerwildbestand in meiner Umgebung ist ausgesprochen stark; einen Abschussplan gibt es nicht.

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© Bernd Klotz