Kvarnhult
Kvarnhult
Büste von Carl Larsson in Sundborn

Vorbemerkung


Wie ich in meinem letzten Wochenbericht bei „Frühlingswinter 2010“ erwähne, besuchte ich bei der Rückfahrt von Kvarnhult nach Peine am 12. April 2010 Carl Larssons „Haus an der Sonne“, auch „Lilla Hyttnäs“ genannt, in Sundborn / Dalarna. Obwohl innerhalb des Hauses nicht fotografiert werden darf, gelangen mir heimlich einige Aufnahmen. Man verzeihe mir.     

CARL LARSSON

Carl Larsson ist einer der bedeutendsten schwedischen Künstler, dem nicht nur die Herzen der Schweden gehören, sondern dessen Werken auch in Deutschland und weltweit viel, ich möchte sagen "andächtige", Aufmerksamkeit zuteil wird. Neben der Ausschmückung vieler öffentlicher Gebäude und auch Kirchen, auch jener in Sundborn, sowie durch Buchillustrationen trat er insbesondere mit seinen Aquarellen, Gemälden und Zeichnungen, welche die ihn umgebende Familienidylle, und auch das Geschehen in Sundborn zeigt, hervor. Im Församlingshem (Gemeindehaus) der Kirchengemeinde Sundborn befinden sich viele Gemälde, welche Sundborner Bürger darstellen.

Der Eingang mit der Führerin.

Carl und Karin Larssons "Haus an der Sonne" ist wundervoll, es strahlt ein wohltuende Wärme aus. Das überwiegend in Holz ausgeführte Haus ist funktional, teilweise raffiniert (z.B. Carls "Schnapsversteck" in einer Säule, eine geheime Treppe und ein "Guckfenster" von Carls Schlafzimmer hinunter in das alte Atelier) bis elegant gestaltet. Die großen Außenfenster der beiden Ateliers und des Wohnzimmers, die romantisch anmutenden Innenfenster von Raum zu Raum, verbunden mit den hellen Farben der Räume und den Ausmalungen Carls sowie den wunderschönen Textilarbeiten Karins, verleihen dem Haus ein besonderes Flair! Der von Karin geprägte Wohnstil, welcher von Helligkeit, Farbigkeit und lebendig-fröhlicher Funktionalität gekennzeichnet ist verkörpert das, was man heute unter dem typisch schwedischen Wohnstil versteht. So wird das von Karin geschaffene Familienheim bis heute von der Mehrzahl der schwedischen Familien (und auch von einem bekannten Möbelhaus) zum Vorbild genommen.

Carl Larsson wurde 1853 in der Stockholmer Altstadt (Gamla Stan) geboren. Er wuchs zusammen mit einem Bruder in sehr ärmlichen Verhältnissen auf: Der gewalttätige Vater verdingte sich als Gelegenheitsarbeiter, die treu sorgende Mutter trug als Wäscherin zum Familienunterhalt bei. Die ersten drei Jahre seiner Schulzeit verbrachte er in der Armenschule, bis er als Schüler der Grundschule der Kunstakademie Stockholm angenommen wurde. Während seines Studiums daselbst lebte er von schmalen Einkünften als Retuscheur, Zeitungszeichner und Buchillustrator. Nach Abschluß seiner Ausbildung an der Kunstakademie lebte er von 1877 an mehrmals in Paris, wo ihm trotz großen Fleißes kaum Beachtung geschenkt wurde, mit der Folge großer finanzieller Schwierigkeiten.

 

Zur selben Zeit lebte in Grez, unweit von Paris, die aus wohlhabenden Verhältnissen stammende schwedische Künstlerin Karin Bergö (*1859 in Hallsberg), welche Carl Larsson 1882 traf. Es machte angeblich „Klick“ und die beiden Künstler heirateten 1883. Noch in Grez wurde die Tochter Suzanne geboren. Während der frühen achtziger Jahre wohnte die Familie wechselweise in Schweden und Frankreich, sein Ansehen wuchs, in Paris wurden seine Bilder prämiert, in Schweden ist er als Buchillustrator gefragt. 1885 zog die Familie nach Stockholm, wo Carl nach Aufträgen der Göteborger Familie Fürstenberg und nach öffentlichen Aufträgen (Fresken im Nationalmuseum Stockholm, in einigen Schulen und in der Stockholmer Oper sowie Gemälde in Kirchen) der absolute Durchbruch gelang. Die hochbegabte Karin, inzwischen Mutter von acht Kindern (Suzanne, Ulf, Pontus, Lisbeth, Brita, Mats, Kersti und Esbjörn) widmete sich der Familie; nebenbei malte sie (mich beeindruckte ein Ölgemälde, welches einen Schneehasen zeigt) und schuf auch wunderbare textile und keramische Kunstwerke zum täglichen Gebrauch. Schmunzeln läßt einen eine von ihr gefertigte Suppenschüssel, auf deren Grund "Slut" (Schluß) zu lesen ist, oder die Waschschüssel der Kinder, welche mit "ihren Hals steckenden Gänsen" verziert ist, gewissermaßen als Wink an die Kinder, beim Waschen den Hals nicht zu vergessen. 1888 schenkte Karins Vater der jungen Familie das im Jahre 1837 erbaute Häuschen „Lilla Hyttnäs“ in der Gemeinde Sundborn (Dalarna), welches in mehreren Schritten nach dem Bedarf des inzwischen hoch angesehenen und begehrten Künstlers erweitert wurde. Die Familie wohnte anfangs wechselweise in Stockholm und Sundborn, bis sie 1901 schließlich ganz nach Sundborn übersiedelte. Wegen des unsteten Lebens der Larssons blieben deren Kinder lange Zeit "ungetauft", was sowohl beim Sundborner Pastor als bei den Bürgern Unbehagen auslöste. Als die Familie dauerhaft in Sundborn ihren Wohnsitz genommen hatte, wurden die Kinder freilich getauft, wie es sich für den gläubigen Carl gehörte. Die kleine Taufschale aus Keramik ist im Hause zu sehen. Während der Sundborner Zeit spiegeln die Werke des Künstlers insbesondere Ereignisse um die Familie und ihre Angehörigen, die Entwicklung des Hauses sowie familiäre Ereignisse und Alltagserlebnisse in Sundborn wider.

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© Bernd Klotz