Kvarnhult
Kvarnhult

ARBEITSTAGE IM FRÜHLINGSWINTER 2012

Um 10.30 Uhr des 11.3.2012 startete ich in Peine und erreichte via Vogelfluglinie (Puttgarden, Rödby, Helsingör, Helsingborg), E4 bis Umeå , Riksväg 363 nach Björksele und weiter über Kristineberg nach 29 Stunden Fahrt am 12.3. um 15.30 Uhr Malå. Nach einer Kaffeepause bei Inga-Lill komme ich gegen 17.30 Uhr auf dem tief verschneiten Kvarnhult an.

Die Fahrt verläuft richtig gut, bis hinter Vindeln sind die Straßen schnee- und eisfrei, nur die letzten 200 km auf Schnee und Eis ist Vorsicht geboten.
Über den diesjährigen „Frühlingswinteraufenthalt“ gibt es nicht viel zu berichten. Ich habe auch keine große Lust Fotos zu „schießen“ und Berichte zu schreiben, weil ich eines Bruches des unterirdisch verlegten Breitbandes wegen weder Internet noch Telefon habe. Der extreme Bodenfrost lässt eine Reparatur nicht zu, doch rückt am 28.3. endlich ein Bautrupp an, welcher oberirdisch durch den Wald und unter dem Bach hindurch eine provisorische Leitung verlegt, ohne diese jedoch anzuschließen.

Der Kontakt zum „Rest der Welt”“ soll am 2.4. erfolgen, welche Hilfe ich angesichts meiner Abreise am selben Tage dankend ablehne und um eine Reparatur der regulären Leitung bis zu meiner Rückkehr bitte.

 

Die Zeit der „Einsamkeit“ nutze ich, in meinem Keller die letzten 100 kg Fliesenkleber zu verarbeiten, so dass nun der gesamte Kellerboden gefliest ist.

 

Täglich beobachte ich Vögel an der Fütterung: Kohlmeisen, Dompfaffen, Tannenmeisen, Weidenmeisen, Kleine Buntspechte und Unglückshäher sind ständige Gäste; in der letzten Woche gesellen sich aus ihren Überwinterungsgebieten in Süd- und Mittelschweden und auf dem Kontinent zurückgekehrte Buchfinken, Grünlinge und Blaumeisen hinzu.

Am 29.3. besucht ein Seidenschwanz die Futterstelle, welcher entschwindet, ehe ich die Kamera zur Hand habe. Stare und Eichelhäher sehe ich am 30.3. Leider liegt meine Kamera im Auto, weshalb ich mich zu diesem begeben muss, um die hier oben erstmals gesichteten Stare aufnehmen zu können. Beim Öffnen der Haustür überrascht mich lautes Flügelklatschen: gut 30 Stück Birkwild heben von den 20 Meter vom Haus entfernten Birken ab; zurück mit dem Foto erwische ich gerade noch eines dieser wunderschönen Tieren beim Abflug. Ein Star bleibt brav an der Fütterung, der zweite und die Eichelhäher indessen sind inzwischen abgestrichen. Danach besuchen mich Stare und Eichelhäher regelmäßig. Am 30.3. treffen scharenweise Birkenzeisige ein.

Am 1.4. höre ich den Gesang der viel zu früh zurück gekehrten Singschwäne. Sie kreisen über dem Lillträsket, der bis auf einige Quadratmeter am Abfluss des Lydmyrbäcken noch vollständig einen dicken Eispanzer trägt. Wovon sich diese Pflanzenfresser bei einem Meter Schnee und gefrorenen Gewässern nun ernähren werden ist mir ein Rätsel.

Gelegentliche Skooterfahrten durch die Winterlandschaft bringen etwas Abwechslung in das Tagesgeschehen.

Am 21./22.3. unternehmen meine Bienen bei +10° C den Reínigungsflug, welches Ereignis mich immer wieder fasziniert. Einige Völker überlebten nicht, so bleibt zu hoffen , dass die sich bis hierher wacker geschlagenen Völker die letzte Strecke des Frühlingswinters durchstehen werden, denn Schnee liegt bis weit in den Mai hinein und die Weidentracht setzt hier oben erst Ende Mai ein.

Während der ersten Woche zeigt sich kaum die Sonne; mit durchschnittlich 0° bis +2° um die Mittagszeit und -5° zur Nacht ist es für Mitte März ungewöhnlich mild. Der Schneeniederschlag beträgt gut 30 cm!
In der überwiegend sonnigen zweiten Woche (18.-24.3.) liegen die Temperaturen am Tage bei durchschnittlich +5°, am 21. und 22.3. werden +10° erreicht; die Nachttemperaturen liegen zwischen 0° und +2°, in den Nächten zwischen dem 21. und dem 23.3. ist es mit -15° jedoch frostig kalt.
Trotz der weiterhin milden Temperaturen und gelegentlichem Regen in der ersten Hälfte der dritten Woche (25.- 28.) beträgt die Schneehöhe am sonnigen und mit +6° recht angenehmen 29.3. noch immer gut einen Meter. Während es die letzten beiden Märztage sonnig ist empfängt mich der April mit heftigen Schneefall, was nebst den zwischen -2° und -12° liegenden Temperaturen der letzten drei Tage daran erinnert, dass Kvarnhult am 65.° nördlicher Breite liegt. Der Sonntagnachmittag indessen macht seinem Namen Ehre, vom wolkenlosen Himmel strahlt die Sonne und treibt die Temperatur auf +3°.

Nach exakt drei Wochen sage ich am 2. 4. bei nordisch blauem Himmel und -11° “hejdå Kvarnhult”. Nach einem zweiten Frühstück bei Inga-Lill fahre ich auf dem Riksväg 365 und 95 nach Skellefteå, um mich bei “Lill Mari” (siehe "Wintermärchenland Lappland 2007/2008...und danach") nochmals zu stärken. Auf der E4 fahrend überquere ich den noch immer vereisten Ångermanälv, erst nach 550 km Fahrt verabschiedet sich der „Schneewinter“, dennoch verharrt das Land bis hinunter nach Småland noch in „Winterstarre“, erst in Skåne begegne ich endlich dem Frühling. Weiter auf der Vogelflugroute usw. erreiche ich nach 31 Stunden Fahrt das nasskalte Peine. Die +10° fühlen sich an wie -20° in Lappland.

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© Bernd Klotz