Kvarnhult
Kvarnhult

FRÜHLINGSWINTER 2010

2050 Kilometer liegen vor mir...

 

Um 6.30 Uhr des 20. Februar 2010 mache ich mich mit Nurmi auf den Weg hinauf nach Lappland. Anders als all die Jahre davor liegt die Norddeutsche Tiefebene unter einem weißen Kleid. Einen wunderschönen Sonnenaufgang erlebe ich kurz vor 7.30 Uhr bei Eggestorp.

Fehmarn erreiche ich gegen 10 Uhr. Auf der "Schleswig-Holstein" überquere ich in knapp einer Stunde den Fehmarnsund hinüber nach Lolland/Dänemark, welches ich erstmals schneebedeckt erlebe.

Der Guldborgsund-Tunnel verbindet Lolland mit Falster, welche Insel durch die Storsundbrücke mit der Insel Seeland verbunden ist. Anders als in den Jahren zuvor überquere ich den Öresund nicht über die Öresundbrücke (Kopenhagen/Malmö), sondern auf dem Fährschiff "Hamlet", welches mich von dem vereisten Helsingör hinüber nach Helsingborg in Schweden bringt.

Inzwischen ist es 13.30 Uhr, 550 km liegen hinter mir. Das erste Etappenziel "Öxelösund" ist jedoch erst nach weiteren 500 km gegen 21 Uhr erreicht: Solveig und Rolf erwarten mich. Wohl versorgt und mit neuer Kraft verlasse ich um 9.30 Uhr des 21. Februar das tief verschneite und mit für diese Region ungewohnten -17° klirrend kalte Öxelösund.

Hat der Winter Deutschland und Dänemark vergleichsweise leicht erfasst, so hält er Schweden in festem Griff: Von Südschweden bis hinauf nach Lappland sind die Strassen, selbst die durch Stockholm führende Stadtautobahn, schnee- und eisbedeckt, an den Straßenrändern häufen sich unglaubliche Schneemengen. Die Räumdienste sind im Zweier- oder Dreiergespann unentwegt im Einsatz und halten wenigstens eine Fahrspur halbwegs schneefrei.

Gegen 23 Uhr des 21. Ferbuar erreiche ich das tief verschneite und mit -22° bitterkalte Kvarnhult. Es ist geschafft und ich dazu!

Zu meiner Freude finde ich in meiner Küche einen leckeren Pai und einen Blumengruß vor. Wohl dem, der gute Nachbarn und treue Freunde hat!

Die erste Woche (22.- 28. Februar)

 

Zur ersten Woche ist nicht viel zu vermelden. Die Devise lautet "heizen und nochmals heizen"!

Die Bienen schlummern einem hoffentlich guten Bienenjahr entgegen.

Meine Futterstelle wird am Tage von meinen gefiederten Freunden (Dompfaffen, Blau-, Kohl-, Weisenmeisen und Grünfinken) besucht. Zur Nacht knappern Schneehasen an dem von mir ausgelegten Heu. Freude bereiten die Ausflüge mit dem Skooter hinaus in die Wildnis.

Am Freitag genoss ich bei Bertils Geburtstag Inga-Lills Smörgåstorta.
Während der bitterkalten Tage brachte ich Nurmi kaum aus dem Haus, doch nun, bei -10° - 15°, fegt sie voll Freude durch den Schnee!

Das Wetter

zeigt sich "hochnordisch", so lag von Dienstag auf Mittwoch in Malå die Tiefsttemperatur bei klirrenden -39,4°, gemessen um 5 Uhr am Skeppträskån. Auf Kvarnhult bewegte sich die Quecksilbersäule wie folgt (Messzeiten stets 6.30 u. 13.00 Uhr):

Mo: -22,0°/ -14,0°, Sonne und Wolken im Wechsel, gelegentlich fällt Schnee.
Di:  -32,0°/ -17,9°, ein Sonnentag.
Mi:  -32,2°/ -14,0°, Sonne pur.
      Kv'hult: SA 7.09 Uhr, SU 16.44 Uhr=9.35 Std.; Tag 6.15 - 17.34 Uhr=11.19 Std.
      Peine  : SA 7.13 Uhr, SU 17.49 Uhr=10.36 Std.; Tag 6.39 - 18.26 Uhr=11.47 Std.
      Stuttg: SA 7.13 Uhr, SU 18.01 Uhr=10.48 Std.; Tag 6.41 - 18.33 Uhr=11.52 Std.
      (Alles im Wochenmittel. SA=Sonnenaufgang; SU=Sonnenuntergang.)
Do:  -18,7°/ - 4,2°, ein sonniger Bilderbuchtag.
Fr:  -12,4°/ - 3,2°, bewölkt mit gelegentlichem Schneefall.
Sa:  -11,6°/ -5,9° , bedeckt, am Vormittag Schneefall.
So:  -8,9°/ - 4,9° , bedeckt, gelegentlich fällt Schnee, dessen Höhe nun ca. 1,20m
                          beträgt.

Die zweite Woche (1.- 7. März).

 

Die Woche ist ereignisreich. Am Donnerstag trifft mein Besuch aus Peine-Stederdorf ein: Elke und Carsten Schröder sowie Uta und Reinhard Klussmann.

Fasziniert von der Winterlandschaft und der Weite des Landes verbringen wir die ersten Tage mit Skooterfahrten (Carsten und Elke lernen dabei die Untiefen des Schnees abseits der Skooterspur kennen). Wir besuchen die Lappstaden in Arvidsjaur, staunen über die Stromschnelle des Skellefte bei Slagnäs und, man glaubt es kaum, über eine Straussfarm ebenda. In Lycksele erleben wir das sehenswerte Waldmuseum und freuen uns über den reizenden Kontakt zu einer hübschen Samifrau in Tracht. Am Vindelälven treffen wir auf einen Trupp Rentiere.

Doch nicht genug mit dem Besuch aus Deutschland: Am Freitag stattete eine Schar Birkwild Kvarnhult einen Besuch ab. Pflückten bisher stets nur Birkhähne die Knospen der Birken und Weiden ab, war diesmal ein "Hennenklub" am Werke.

Das Wetter lässt keinen Wunsch offen:

Mo: -9,5° / -4,9°, 20 cm Neuschnee.
Di: -7,1° / -4,3°, überwiegend sonnig.
Mi: -7,0° / -4,2°, klarer Himmel und Sonne pur!
      Kv'hult: SA 6.49, SU 17.06 Uhr = 10.17Std.; Tag 5.35 - 18.07 Uhr = 12.32 Std.
      Peine  : SA 6.57, SU 18.01 Uhr = 11.04 Std.; Tag 6.15 - 18.45 Uhr = 12.30 Std.
      Stuttg.: SA 6.50, SU 18.16 Uhr = 11.26 Std.; Tag 6.18 - 18.48 Uhr = 12.30 Std.
      (Im Wochenmittel.)
      Von heute an übersteigt die Tagzeit in Malå jene in Peine und Stuttgart um 2 Minuten

       mit stark zunehmender Tendenz.
Do: -10,9° / -3,9°, strahlender Sonnentag, an der Hauswand messe ich + 10,4°).
Fr: -14,8° / -2,0°, ein wunderschönen Frühlingswintertag!
Sa: -12,2° / -2,2°, ebenso ein Frühlingswintertag wie aus dem Bilderbuch.
So: -3,4° / +1,0°, bedeckt.

Die dritte Woche (8.- 14. März).

 

Mein Besuch vergnügt sich mit Schneeskooterfahrten und mit Pimpelfischen (Pimpelfiske).

Carsten und Elke bohren fleißig Löcher durch den gut 60 cm dicken Eispanzer des Lillträsket. Beide bewegen den mit einem Mehlwurm versehenen Haken der kleinen Rute unendlich auf und ab (pimpeln), doch der Erfolg bleibt leider aus.

Inga-Lill und Bertil bereiten uns eine sehr leckere "Wildmarkspfanne" aus Elch, Ren, Birkwild, Gemüse und Kartoffeln.

Donnerstag heißt es für meinen Besuch zurück in das nasskalte Deutschland; auf Kvarnhult zieht Ruhe ein.
Freitag schaufle ich einen Gang zu einem der Bienenhäuschen, bis "auf Grund" messe ich 1,20 Meter Schnee. Bei Hörproben an den Fluglöchern vernehme ich ein sanftes "Schnurren"! Es scheint also alles in Ordnung zu sein.

Das Wetter spielt gut mit, die Temperaturen am Tage sind milder als in Peine:

Mo: 0°/ +1°, Sonne und Wolken wechseln sich ab, es weht ein heftiger Wind, gelegentlich

                fällt Schnee.
Di: -12,1°/ +1°, bewölkt mit sonnigen Abschnitten.
Mi: -2,3°/ +1,1°, in der Nacht von Dienstag heftiger Schneefall, am Tage bewölkt, am

                      Nachmittag Schneefall.
     Kv'hult: SA 6.14, SU 17.25 Uhr = 11.11 Std., Tag 5.25 bis 18.17 Uhr = 12.52 Std.
     Peine  : SA 6.43, SU 18.17 Uhr = 11.34 Std., Tag 6.09 bis 18.51 Uhr = 12.42 Std.
     Stuttg.: SA 6.45, SU 18.22 Uhr = 11.37 Std., Tag 6.14 bis 18.55 Uhr = 12.41 Std.
     (Im Wochenmittel.)
Do: -1°/ +3,9° , einem bewölkten Vormittag folgt ein sonniger Nachmittag.
Fr: -10,4°/ +2,5°, ein wirklicher Frühlingswintertag.
Sa: -8,3°/ -0,9°, am Vormittag sowie am Nachmittag sonnig, um die Mittagszeit heftiger

                      Schneefall.
So: -10,9°/ +0,9°, bewölkt mit sonnigen Abschnitten.

 

Am Samstag sehe ich die ersten Birkenzeisige (Carduelis flammea) am Futterplatz; der Birkenzeisig (Carduelis flammea) unterscheidet sich vom (eurasischen) Polarbirkenzeisig (Carduelis hornemanni exilipes) durch eine Rotfärbung der Brust bei den Althähnen, welche bei den unten gezeigten Vögeln zu erkennen ist:

Die vierte Woche (15.- 21. März)

 

Gesundheitsbedingt liegt eine stille Woche hinter mir: Bei einer "ungeschützten" Skooterfahrt in Eiseskälte zog ich mir eine hartnäckige halbseitige Gesichtslähmung zu.

Semmlor, ein Fastengebäck (Teller Marke Eigenbau!).

Doch zeigte sich dabei wieder einmal, wie groß der Zusammenhalt im Dorfe ist: Irene brachte mir armem Tropf zwei Körnerkissen und eine schicke "Gesichtsmaske", Bruno spendete mir mit fünf leckeren Semmlor Trost. Rührend meinte er, "wir sind ein kleines Dorf, doch wir halten zusammen"!

Die Futtestelle für meine gefiederten Freunde wird täglich sehr stark besucht, der abgebildete Futterautomat ist leicht zu bauen, er fasst ca. 10 Liter Futter, ausreichend für ungefähr 2 Wochen.

ine Futterstelle mal aus der Nähe. Im Silo biete ich Sonnenblumenkerne und Haferflocken an, im Drahtbehälter befinden sich zequetschte Meisenknödel. Hinter dem Meisnknödel ist Speck zu sehen, welcher von allen Meisenarten bevorzugt angenommen wird.

Das Wetter zeigt sich sehr wechselhaft:

Mo: -10,2° /-1°, überwiegend sonnig, am Abend leichter Schneefall.
Di: -9,9° /-4,5°, in der Nacht Schneefall. Am Tage sehr sonnig.
Mi: -17,4°/+1,2°, sehr sonnig.
Do: -16,9°/ -3,4°, Schneefall. Heute beträgt die Zeit von Sonnenaufgang bis
                       
Sonnenuntergang auf Kvarnhult, in Peine und in Stuttgart 

                        gleichermaßen 12.05 Stunden:
    Kv'hult: SA 5.48 Uhr /SU 17.54 Uhr=12.06 Std.,Tagzeit 4.59-18.40 Uhr=13.41 Std.
    Peine  : SA 6.23 Uhr /SU 18.28 Uhr=12.05 Std.,Tagzeit 5.52-19.03 Uhr=13.11 Std.
    Stuttg.: SA 6.27 Uhr /SU 18.33 Uhr=12.05 Std.,Tagzeit 5.59-19.04 Uhr=13.05 Std.
Fr: -5,9°/ - 2,4°, bewölkt, ab Nachmittag leichter Schneefall.
                      
Von heute an nehmen Sonnenscheindauer und Tagzeit auf Kvarnhult

                       gegenüber Peine und Stuttgart rasant zu:
    Kv'hult: SA 5.44 Uhr /SU 17.57 Uhr=12.13 Std.,Tagzeit 4.52-18.47 Uhr=13.55 Std.
    Peine  : SA 6.21 Uhr /SU 18.30 Uhr=12.09 Std.,Tagzeit 5.47-19.07 Uhr=13.20 Std.
    Stuttg.: SA 6.25 Uhr /SU 18.34 Uhr=12.09 Std.,Tagzeit 5.55-19.07 Uhr=13.12 Std.
Sa: -6,3°/ 0°, in der Nacht 8 cm Neuschnee, am Vormittag leichter Schneefall, der
    
               Nachmittag zeigt sich sehr sonnig.
So: -17°/ -1°, überwiegend sonnig.
    Kv'hult: SA 5.37 Uhr/SU 18.04 Uhr=12.27 Std.,Tagzeit 4.43-18.51 Uhr=14.08 Std.
    Peine  : SA 6.16 Uhr/SU 18.33 Uhr=12.17 Std.,Tagzeit 5.43-19.10 Uhr=13.27 Std.
    Stuttg.: SA 6.21 Uhr/SU 18.37 Uhr=12.16 Std.,Tagzeit 5.50-19.11 Uhr=13.21 Std.

Die fünfte Woche (22. - 28. März)

 

Meine lieben Immen wagen sich trotz milder Mittagstemperaturen während der ersten Wochenhälfte noch immer nicht aus ihren Behausungen; dennoch bereite ich alles auf den Reinigungsflug vor: Um zu verhindern, dass sich erschöpfte Tiere auf dem wie ein Magnet wirkenden Weiß des Schnees niederlassen und erstarren, lege ich vor den Fluglöchern einige Quadratmeter Tannenreis aus. Doch der Neuschnee in der Nacht zu Sonntag und extreme Verwehungen machen diese Vorsorge zunichte. Die Schneehöhe beträgt gut 1,50 m, die "Gänge" zu den zwei kleinen und (zu) niedrig stehenden Bienenhäuschen sind total verweht. Vergleicht man die Wettersituation hier oben mit jener in Deutschland, wo nach dem ausnahmsweise mal richtigen Winter inzwischen Temperaturen im zweistelligen Plusbereich herrschen, der Reinigungsflug bereits erfolgte, eine genügende Nektar und Pollentracht vorhanden ist, und selbst in jener Region, in welcher ich ein Testvolk stehen habe, die Schneehöhe von 1,40m Mitte Februar inzwischen auf Null zurück ging, so wird man erst gewahr, wie unvergleichlich hart sich das Leben der Immen hier oben gestaltet und was man diesen Tieren zumutet. Ich bin erstmals im März hier oben, sonst bis zum 15. Februar oder ab dem 15. April. Der März ist wegen seiner sehr sonnigen Tage, der schon recht langen Tagzeit und der extremen Schneehöhe der kritischste Monat im Blick auf die Bienen. Dass diese Tiere das jedes Jahr schafften grenzt an ein Wunder! Und ganz ehrlich, ich mache mir Sorgen; es ist unvorstellbar - für mitteleuropäische Imker!

Den bisher vorkommenden "Gefiederten" gesellen sich Tannenmeisen (Parus ater) hinzu. Tannenmeisen ähneln den Weidenmeisen (Parus montanes), doch zeigen sie ein feines doppeltes Schwingenband und einen weißen länglichen Nackenfleck. Ihre weißen Wangen sind kleiner als jene der Weidenmeise. Zu der Weidenmeise möchte bemerken, dass diese Meisenart Vorratshaltung betreibt. Als Verstecke dienen Rindenspalten und Baumflechten oder Baummoose.

Mit dem Erscheinen der ersten Blaumeisen (Parus Caeruleus) am 23. März veränderte sich etwas: Obwohl noch gut 1,50 Meter Schnee liegen und es von Donnerstag an gelegentlich und in der Nacht zu Sonntag heftig schneite, riecht es mit dem Eintreffen der weiter südwärts überwinternden Blaumeisen geradezu nach Frühling. Trotz der nächtlichen Minusgrade von bis zu 19° sind die Tage spürbar mild, die Vögel zwitschern gelegentlich ihre Melodien, man meint, es käme die erste Balzstimmung auf.
Am 25. März sehe ich eine Rarität: Ein nur im hohen Norden vorkommender Unglückshäher (Perisoreus infaustus), eine Rabenvogelart, besucht meine Futterstelle. Leider war der Vogel schneller als meine Kamera, weshalb ein Foto nicht zustande kam.
Meine Gesichtslähmung klang zum Glück ab, so konnte ich bereits wieder Touren mit dem Skooter und auch Schneewanderungen unternehmen.

Nurmi fühl sich wohl wie kein Hund auf dieser Welt; kein Wunder, bei der Freiheit und bei den interessanten Düften.

Irgend wann kommt Langeweile auf, und man besinnt sich alter Dinge. Zum Beispiel der Herstellung von Leberwurst nach dem Rezept meines Großvaters Julius. Das Vorhaben gelang, wie zu sehen ist, und es schmeckt! Zudem hängt seit 3 Wochen ein Stück Schweinenacken, welchen wir Schwaben "Schweinehals" nennen, zum Trocknen in der Kammer. Das gute Stück duftet schon so richtig nach "Parma"!

Das Wetter

Mo: -8,9°/ +1°, ein Sonnentag.
Di: -12,7°/+1°, ein wirklicher Frühlingswintertag.
Mi: -12,7°/ +1°, am Morgen bewölkt, danach sonnig.
     Kv'hult: SA 5.31, SU 18.12 Uhr = 12.41 Std.; Tag 4.31 bis 19.02 Uhr = 14.31 Std.
     Peine  : SA 6.10, SU 18.41 Uhr = 12.31 Std.; Tag 5.35 bis 19.15 Uhr = 13.40 Std.
     Stuttg.: SA 6.15, SU 18.44 Uhr = 12.29 Std.; Tag 5.44 bis 19.15 Uhr = 13.29 Std.
Do: -19,4° /+1°, diesig, ab Nachmittag Schneefall.
Fr: -1,8° /+2.1°, leichter Schneefall.
Sa: -5,9° / -3,1°, leichter Schneefall.
So: -4,7° /-1,/°, bedeckt. In der Nacht von Samstag 20 cm Neuschnee.

Die sechste Woche (29. März - 2. April)

 

Ostern ist bekanntlich das Fest der Freude: "Kristus är uppstånden" (Christus ist auferstanden), schrieb mir ein schwedischer Imkerkollege (Redakteur der Schwedischen Bienenzeitung) zum heutigen Tage. Und an diesem Freudentag machte das erste Bienenvolk seinen Reinigungsflug. Folglich beginne ich meinen Wochenbericht mit:

 

Die lieben Bienen
Wie erwähnt, fliegt am Ostertage, bei schönstem Wetter und bei +7,2°, das erste Bienenvolk aus. Ich erlebe erstmals den Reinigungsflug hier oben, und nun sehe ich alles doch wieder sehr gelassen. Meine Sorgen, die Immen ließen sich auf dem Schnee nieder und erstarrten, erweist sich, wie viele Dinge, die man nicht selbst erlebt, als falsch. Natürlich stützte ich diese Annahme auf entsprechende Hinweise in Fachpublikationen. Was ich heute erlebe verläuft völlig anders:

Eine hochtypische Nordische Arbeiterin ruht sich aus. Man betrachte (bitte vergrössern) die extreme Behaarung dieser "Altbiene". Auch die Biene auf dem rechten Foto zeigt eine ausgeprägte rassetypische Behaarung. Für beide Arbeiterinnen gilt: "Nordischer" geht es nicht!

Alle drei typisch Nordischen Flügelwerte sind bei Vergrösserung des Fotos mit geschultem Auge zu erkennen: Der hervorragende Cubitalindex von ca.1,2 (eigentlich Drohnenwertig!), ein Hantelindex von unter 0,90 und die extrem im Negativbereich liegende Discoidalverschiebung. Eine negative Discoidalverschiebung ist das absolut sicherste Merkmal der Nordischen Biene. Ich empfehle einen Vergleich des Geäders mit der Skizze bei "Dunkle Bienen".

Gegen 13.30 Uhr vernehme ich ein kräftiges brummen. Ich schaue zum Hausstand ... und ich sehe Bienen fliegen. Natürlich eile ich hin und zu meinem Schrecken ist der Schnee sehr stark mit Bienen besetzt, doch sie stelzen auf dem Schnee, ihr Körper berührt das kühle Weiß nicht. Ich warte, und siehe da, zum Ende des ersten Ausfluges, gegen 14.30 Uhr, war wohl der Schnee stark bekleckert, doch es liegen gerade noch eine halbe Handvoll Bienen herum. Die Mühe mit der  Reisigabdeckung kann ich mir bzw. kann sich Bertil künftig sparen, denn würde man selbst 200 m² damit belegen, die Immen gingen auf dem Schnee nieder. Es ging also alles bestens. Ein kurzer Blick in dieses Volk lässt mich aufatmen, denn es schaut super gut aus. Die Stockmutter, sie steht nun im vierten Jahr, ist eine meiner besten Zuchtköniginnen. Sie vererbt ungewöhnlichen Sanftmut und eine exzellente Überwinterungseigenschaft.

 

Das Wetter

zeigt sich recht mild und überwiegend sonnig. Es herrscht Tauwetter, die Schneehöhe schmolz auf ca. einen Meter zusammen, die Strassen sind von Eis und Schnee befreit!

Das Tauwetter macht den Schnee für Nurmi begehbar, und schon büxt sie aus.

Mo: -5,2° / -0,2°, bedeckt.
Di : -7,4° / +2°, am Morgen Schneefall, ab Mittag sonnig.
Mi: -2,9°/ +2°, am Vormittag bedeckt, ab Mittag sonnig.
     Kv'hult: SA 6.05, SU 19.34 Uhr = 13.29 Std; Tag 5.05 bis 20.26 Uhr = 15.21 Std.
     Peine  : SA 6.54, SU 19.53 Uhr = 12.59 Std.; Tag 6.18 bis 20.29 Uhr = 14.11 Std.
     Stuttg.: SA 7.00, SU 19.53 Uhr = 12.53 Std.; Tag 6.29 bis 20.26 Uhr = 13.57 Std.
Do: -0,7/ +2,8°, Hochnebel.
Fr:  +2,2°/ +5,1°, bedeckt, ab Mittag sonnig. Tauwetter.
Sa: +0,9°/ +6,2°, bis Mittag bedeckt, danach sonnig.
So: -7,8°/ +7,2° Ein Sonnentag wie er im Buche steht, Ostern eben!

 

Und sonst?
Meine Futterstelle wird weiterhin stark von den Gefiederten angenommen, man nimmt nun Balzstimmung wahr.

Am Samstag sind wieder zwei hochnordische Unglückshäher (Perisoreus infaustus) zu Besuch. Und ich konnte sie mit der Kamera auf zahlreichen Fotos einfangen.
Galten diese ein Leben lang monogam lebenden "Rabenvögel" in Deutschland, wohin sich im Winter ganz selten ein Tier "verirrt", zu alter Zeit als Unglücksboten, sehen die Samis in ihnen Glücksbringer. Also erfreue ich mich an diesen allesfressenden nordischen Exoten, welche leider auch Nester kleinerer Vögel plündern.

 

Den Nachmittag des Gründonnerstags verbringe ich bei Kaffe und Waffeln im Hause von Pastor Christer und Frau Mariann. An diesem Tage sind bemalte und verkleidete Kinder von Haus zu Haus unterwegs, um "Goddis" (Süssigkeiten) und auch Geld einzusammeln. Andere Länder andere Sitten, wie auch das Påskreis zeigt: Zu einem Strauss gebundene und mit bunten Federn geschmückte Birkenreiser schmücken die Wohnungen. Die Reiser werden so rechtzeitig geschnitten, dass sich ihre Knospen zu Ostern öffnen und ihre zarten Blättchen als Symbole neuen Lebens, oder als Symbol der Auferstehung des Herrn, zu sehen sind. Gelegentlich sieht man auch in den Vorgärten mit bunten Federn geschmückte Bäumchen.

Ostersamstag, in Schweden "Påskafton", also Osterabend, genannt, bin ich bei Inga-Lill und Bertil zum Påskaftonbord, zum Osterbuffet, der "Großfamilie" eingeladen. Die Köstlichkeiten stehen jenen an Julafton, dem Heiligen Abend (siehe Wintermärchenland Lappland - So feiert man in Schweden Weihnachten), kaum nach.
Zum Osterabend werden auch die Kinder mit Süßigkeiten beschenkt, und ich stelle fest, dass das Anspruchsdenken der Kinder in Schweden weit geringer ist als jenes der Kinder in Deutschland.
Der Ostersonntag verläuft in Schweden familiär; so das Wetter es zulässt, wie in diesem Jahr, wird gegrillt!
Natürlich finden während der ganzen Karwoche und am Ostersonntag zahlreiche Gottesdienste statt.

 

Die siebte und letzte Woche (5. - 11. April)

 

Die lieben Bienen
Die Wärme des Samstags lockt ein weiteres Volk aus der gut sechs Monate währenden Winterruhe. Bei einer kurzen Betrachtung stelle ich bei diesem Volk eine erfreuliche Stärke fest. Das Reizfutter, welches ich vor Tagen dem noch in der Wintertraube befindlichen Volk auflegte, ist zur Hälfte verzehrt, so dass ich zum Abschied ein weiteres Stück "Starterfutter" auflege, wie auch die übrigen Völker ein solches "Abschiedsgeschenk" erhalten. Die Wetterprognose sagt fünf warme und sonnige Tage voraus, welche die restlichen Völker hoffentlich aus ihren Behausungen locken werden.
Gerade zu meinem Start beginnt ein weiteres Volk sich zum Reinigungsflug einzufliegen. Ich schiesse ein Foto und begebe mich auf die lange Fahrt! Tschüss Bienen.

Sonnenaufgang am 8. April.

Und sonst?
Eine ruhige Woche liegt hinter mir. Der Samstag ist geprägt von einem Abschiedskaffee bei Inga-Lill, Bertil, Solveig und Rolf sowie von Vorbereitungsarbeiten für die Rückfahrt, welche am Sonntag ansteht. Solveig und Rolf treten ebenfalls am Sonntag die Heimreise nach Öxelösund an, wo wir uns am Montag treffen werden.
An meiner Vogelfütterung gelingen mir einige tolle Fotos. Am Sonntag wache ich gegen 5.35 Uhr an mir sehr bekannten Lauten auf: Vom Lillträsket her höre ich erstmals in diesem Jahr die Balzlaute eines Birkhahns. Nichts wie runter zum noch immer mit einem dicken Eis-/Schneepanzer bedeckten See, einen wunderschönen Sonnenaufgang aufgenommen - und natürlich auch Fotos von zuerst zwei dann drei Spielhähnen geschossen.

Bis auf den "verschneiten bzw. verregneten" Freitag ist die Woche recht schön, der Samstag und auch der Sonntag sind "Sonnentage". Es herrscht die ganze Woche Tauwetter, der Schnee ging auf ca. 80 cm zurück:

 

Mo: -10,2°/+6,2°, zunächst bedeckt, ab Mittag österlich sonnig.
Di : -8,2°/ +5°, ein strahlender Vormittag, danach bedeckt.
Mi : -1,6°/ + 4,9°, ab Mittag gelegentlich sonnig
     Kv’hult: SA 5.33, SU 19.57 Uhr = 14.24 Std. / Tag 4.37 - 20.52 Uhr = 16.15 Std.
     Peine  : SA 6.36, SU 20.03 Uhr = 14.24 Std. / Tag 6.03 - 20.42 Uhr = 14.39 Std.
     Stuttg.: SA 6.46, SU 20.02 Uhr = 13.16 Std. / Tag 6.14 - 20.37 Uhr = 14.23 Std.
Do: +0,2° /+6,8°, überwiegend bewölkt, nur gelegentlich zeigt sich die Sonne.
Fr : +1,1° /+5,9°, Schneeregen .
Sa : +1,8° /+7,2°, am Vormittag bedeckt, ab Mittag sehr sonnig.
So: -4,3° /

 

Sieben schöne Frühlingswinterwochen gehen zu Ende; die Gesichtslähmung ist vergessen, doch sie war lehrreich!
 

Heidå Kvarnhult, in 7 Wochen werde ich wieder hier sein!

Ich starte gegen 16 Uhr, der Weg führt von Malå nach Storuman, dann der E45 folgend Vilhelmina-Dorotea-Östersund-Älvros (tolle Kirche aus dem Mittelalter)-Sveg-Mora-Falun. Auf dem Weg überquere ich sechs Ströme (Älvar) und streife den wunderschönen Siljan.

In Sundborn (Dalarna) besuche ich Carl Larssons "Haus an der Sonne", mache dort eine Führung mit und ich bin beeindruckt! Mehr lesen Sie bei Themenbilder unter "Carl Larsson".

Über Sala-Västerås-Eskilstuna-Nyköping erreiche ich das an der Ostsee gelegene Öxelösund. Eine Übernachtung bei Solveig und Rolf in Öxelösund liegt hinter mir, und es geht auf der E4 südwärts nach Mantorp (Kommune Mjölby), in welcher Gemeinde sich die Zentrale des Schwedischen Imker Reichsverbandes befindet, welche ich besuche. Nach einer Stärkung mit Jan's wunderbarem "Stekt Sill" (Brathering) in Hamneda (Kommune Markaryd) ist auch bald Helsingborg und per Fähre Helsingör erreicht. Am Ende dreier langweiliger Stunden durch Dänemark und 45 Minuten Pause auf dem Fährschiff hinüber nach Fehmarn erreiche ich endlich Deutschland und nach weiteren dreieinhalb Stunden Fahrt das heimische Peine.
Geschafft!

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© Bernd Klotz