Kvarnhult
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So feiert man in Schweden                             Weihnachten!

Jul - Weihnachten, das Fest der Feste in Schweden!
Dieses Hochfest beginnt im Grunde bereits am 13. Dezember mit dem Luciatag, dem Tag der "Lichterkönigin". So wird der Weihnachtsbaum, schwedisch "julgran", auch bereits zu Lucia geschmückt. Viele unserer Freunde erhellen die nordische Dunkelheit, die ich als "lichte Dunkelheit" bezeichne, jedoch schon viel früher durch den Lichterglanz des Weihnachtsbaumes, nämlich bereits auf den Ersten Advent, ab welchem Tage sich ganz Schweden in einen Lichterzauber verwandelt: Lichterketten und Lichterfiguren an den Häusern, in den Gärten sowie in den Strassen und auf den Plätzen.

In den Fenstern leuchten noch mehr Lämpchen als ohnehin üblich, dazu kommen nun natürlich Sterne und Lichtpyramiden; vor den Häusern lodern die Flammen der maschallerna, welche an riesige Teelichter erinnern.

Die Wohnungen werden insgesamt auf Weihnachten eingestellt: Gardinen mit Weihnachtsmotiven kommen an die Fenster, Sitzpolster und Kissen erhalten weihnachtliche Bezüge, Engel und Weihnachtsmänner finden sich in den Räumen, um einige Beispiele zu nennen. Den bei uns in Deutschland so beliebten Adventskranz findet man jedoch selten vor.

Gardinen mit Weihnachtsmotiven.

Zur Tradition des Weihnachtsbaumes in Schweden:

 

Der aus Deutschland stammende Weihnachtsbaum wird in Schweden 1741 erstmals erwähnt; ab 1820 hielt er im Bürgertum, ab 1860 allgemein Einzug. Es war üblich, zu singen, zu musizieren und um den Weihnachtsbaum zu tanzen, welcher Brauch sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hielt. Der reine Gesang von Weihnachtsliedern "unter dem Weihnachtsbaum", wie es in Deutschland üblich ist, fand in Schweden keine Nachahmung.
Bis zur Einführung des Weihnachtsbaumes war es in bäuerlichen Familien üblich, zu Lucia "halmen", also Stroh, auf dem Fußboden der Stube auszubreiten; im Bürgertum wurde der Fußboden mit Tannen- oder Wacholderzweigen begelegt. Mit der Ausstreuen der "julhalmen" oder der Zweige war "julfrieden" zu halten. Man schmückte die Wohnung mit Gebilden aus Stroh. So wurden Pyramiden und Kronen gefertigt, welche weihnachtlichen Schmuck trugen; auch ein aus Stroh gefertigter "julbock" durfte nicht fehlen. Dem "julbock" kommt auch heute noch eine gewisse Tradition zu.

 

Am "tjugondag Knut", dem 17 Tag nach Weihnachten, wurde das Stroh usw. entfernt.


Der Luciatag (13. Dezember) verläuft recht still.

Luciafeier in der Kirche zu Växsjö. (Foto Claudia Gründer)

In heutiger Form wird Lucia seit 1764 gefeiert. Zuvor wurde in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember (nach dem alten Julianischen Kalender die längste Nacht des Jahres) eine gefährliche Nacht gesehen. Übernatürliche Wesen waren aktiv, Tiere konnten sprechen usw. Und natürlich trieben als Unholde verkleidete Burschen ihr Unwesen. Von 1764 an nahm dann das Treiben zur längsten Nacht allmählich die heute bekannte Form der Lichtgestalt "Lucias" an. Weil es zum Ursprung der Lucia zweierlei Herleitungen gibt, möchte ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen. Nehmen wir es so an, wie es sich heute darstellt:
Zur Abendstunde vernimmt man einen sanften Gesang, der in seiner Melodie eher an Italien als an Schweden erinnert. Und dann taucht sie auf, die Lichterkönigin. Ein Mädchen in weißem Kleide, geschmückt mit einer Krone, auf welcher fünf Kerzen brennen. Ihr folgen eine große Zahl ebenfalls weiß gekleideter Sternenknaben oder Sternenmädchen. Lucia nebst Gefolge ziehen von Haus zu Haus, um die Menschen mit ihrem Gesang zu erfreuen:

"Nacht stapft mit schwerem Gang
um Hof und Garten.
Sonn’ bleibt jetzt aus so lang
im Schatten wir warten.
Da tritt mit Lichterschein
ins dunkle Haus herein
Sancta Lucia, Sancta Lucia."

"Nacht war so groß und stumm,
nun hört ein Brausen
                           ums stille Haus herum
                            wie Flügelrauschen.
                             Seht dort wie wunderbar, kommt

                           her mit Licht und Haar,
                          Sancta Lucia, Sancta Lucia."

 

Zum Luciaabend finden allerorten, insbesondere in den Kirchen, Konzerte und typische Festessen statt.
Ein typisches Gebäck zu Lucia sind die "lussekatter", ein mit Safran gewürztes Weizengebäck in Form einer Katze (katt).

Nach "Lucia", jedoch vor "julafton" (Heilig Abend), trifft man sich mit Freunden, auch in den Kirchengemeinden, zum julgrötmat (Weihnachtsbreiessen). Diesem Reisbrei wird zu Tische Milch und Zimt ganz nach Geschmack zugesetzt. Zumeist wird dazu ein spezieller "glögg" (Glühwein) serviert, welchem ebenso nach Belieben Rosinen und Mandelsplitter zugegeben werden.

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Premiere in der Kirche zu Malå

 

Am Abend des 21. Dezember fand in der Malåkyrka eine Premiere statt:
Ein zweisprachiger Gottesdienst! Zweisprachig die von Kyrkoherde Christer Svensson geleitete Liturgie, zweisprachig die von mir verfasste Predigt, zweisprachig die von Petra und Henning Wüst sowie von mir vorgetragenen Fürbittegebete. Andächtig gesungen die deutschen und schwedischen Adventslieder!
Ein Dankeschön gilt Björn Sivertsen für den Organistendienst und Pastor Martin Albroscheit für die Besorgung der "deutschen" Choralsätze!
Im Anschluss an den gutbesuchten Gottesdienst traf sich die Gemeinde im Församlingshem zum Kirchenkaffee mit Petras Torten und Kristinas Weihnachtsgebäck.

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An "julafton" (Heilig Abend) findet um 11 Uhr ein Gottesdienst statt, danach ist das geschäftige Treiben der großen Vorbereitungen beendet, auch die Geschäfte schließen nun ihre Pforten.

Beim Heilgabend- Gottesdienst erscheint sie gegen 11.30 Uhr: Die güldene Sonne.
Inga- Lills julbord

Gegen 16 Uhr beginnt das große Festmahl in geselligem Rahmen. Eröffnet wird das Festmahl mit dem oben schon erwähnten speziellen "glögg"; dazu werden Pfefferkuchen gereicht, welche mit Kräuterkäse belegt sind. Danach wird das "julbord" (Weihnachtsbuffet) eröffnet, welches all die schwedischen Köstlichkeiten bietet:

 

  • Fleischbrühe in welche eine Brotscheibe eingelegt wird (blöta),
  • Weihnachtsschinken (julskinka) in verschiedenen Varianten,
  • Fleischklösschen (köttbullar),
  • Fleisch, gebraten und gegrillt,
  • Pasteten,
  • Aufläufe (dabei ist "Janssons frestelse", ein Kartoffelauflauf, der Renner),Lachs und Hering in vielen Variationen,
  • Lachs und Hering in vielen Variationen
  • Anchovis (Sardellen-) und Eiersalat,
  • Grüne Salate (grönsaker), allerdings ohne Marinaden,
  • Kartoffeln,
  • Brot in vielen Sorten, vor allem unterschiedliche nordschwedische Fladenbrote.

 

Abgeschlossen wird das Schlemmermahl mit dem oben bereits erwähnten "julgröt" und einem starken Kaffee.
Zur Erfrischung werden "julmust" (ein sehr süßes Gebräu), "cider" (Cidre), Säfte, Wasser und wohl auch Alkoholisches gereicht. (Letztgenanntes gibt es in unserem Freundeskreise nicht.)


In vielen Familien, so auch bei unseren Freunden, wird nach dem Mahl die Weihnachtsgeschichte vorgetragen.

Bei unserer Feier übernahm Bertil diese wichtige Tradition:

         Vid den tiden utfärdade kejsar Augustus en förordning om att hela världen skulle

         skattskrivas.
         Det var den första skattskrivningen, och den hölls när Quirinius var ståthållare i

         Syrien. Alla gick då för att skattskriva sig, var och en till sin stad. Och Josef,

         som genom sin härkomst hörde till Davids hus, begav sig från Nasaret i Galileen upp

         till Judeen, till Davids stad Betlehem, för att skattskriva sig tillsammans med

         Maria, sin trolovade som väntade barn.

 

         Medan de befann sig där var tiden inne för henne att föda, och hon födde sin son,

         den förstfödde. Hon lindade honom och lade honom i en krubba, eftersom det inte 

         fanns plats för dem inne i härbärget.

 

        I samma trakt låg några herdar ute och vaktade sin hjord om natten. Då stod

         Herrens ängel framför dem och Herrens härlighet lyste omkring dem, och de greps

         av stor förfäran. Men ängeln sade till dem: "Var inte rädda. Jag bär bud till er

         om en stor glädje, en glädje för hela folket. Idag har en frälsare fötts åt er i

         Davids stad, han är Messias, Herren. Och detta är tecknet för er: ni skall finna

         ett nyfött barn som är lindat och ligger i en krubba."
         Och plötsligt var där tillsammans med ängeln en stor himmelsk här som prisade

         Gud:

         

         "Ära i höjden åt Gud och på jorden fred åt dem han har utvalt." När änglarna

         hade farit ifrån dem upp till himlen, sade herdarna till varandra: "Låt oss gå in

         till Betlehem och se det som har hänt och som Herren har låtit oss veta." De

         skyndade i väg och fann Maria och Josef och det nyfödda barnet som låg i

         krubban. När de hade sett det, berättade de vad som hade sagts till dem om

         detta barn. Alla som hörde det häpnade över vad herdarna sade.
         Maria tog allt detta till sitt hjärta och begrundade det. Och herdarna vände

         tillbaka och prisade och lovade Gud för vad de hade fått höra och se: allt var så

         som det hade sagts dem.

 

Den deutschen Text finden Sie im Neuen Testament bei Lukas, Kapitel 2, Verse 1 bis 20.

Jultomte Bertil

Während des Abends meldet sich mit etwas Getöse ein Gast an, welchen die Kinder teils mit Angst, teils mit Freude erwarten: Der "jultomte", der Weihnachtsmann, seit etwa 1800 in Schweden bekannt, macht seine Aufwartung! Dieser rot- weiß gekleidete Geselle stellt sich in Gedichtform vor, und er erwartet natürlich von den Kindern ebenso brav vorgetragene Gedichte. Sodann öffnet er seinen Sack, um den Kindern die "julklapparna", die Weihnachtsgeschenke, zu überreichen. Danach zieht er weiter.

Vor der Zeit des Weihnachtsmannes nahm der "julbock" dessen Stellung ein: Ein als Ziegenbock verkleideter Mann überbrachte in seinem Sack die Geschenke. Der Ziegenbock spielte jedoch auch nach der "Einführung" des ("anglo-amerikanischen") Weihnachtsmannes eine Rolle: Nicht ein Rentier, sondern ein Ziegenbock zog den Schlitten des Weihnachtsmannes. Erst nachdem außerhalb Schwedens die Mär aufkam, ein Rentier zöge den Schlitten des Weihnachtsmannes, wurde schließlich auch in Schweden der Ziegenbock in den Ruhestand geschickt und Rudolf mit der roten Nase "unter Vertrag" genommen. Dennoch gehört bis zum heutigen Tage in vielen Familien der aus Stroh gefertigte julbock zum Fest (s. auch bei Weihnachtsbaum).

 

In diesen Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass in meiner schwäbischen Heimat zu meiner Kindheit der Weihnachtsmann auch nicht bekannt war. Am 6. Dezember zog der Pelzmärte, eine in Pelz gekleidete und mit Ketten behangene Gestalt durch die Dörfer, um den Kindern, je nach "Verdiensten", Geschenke zu überbringen oder sie mit der Rute zu züchtigen. Im lutherischen "Alt-Württemberg" wurden die Geschenke zu Heilig Abend vom Christkind, welches von Luther eingeführt wurde, überbracht.

Eine Mitternachtsmette oder -messe kennt man in Schweden nicht. Indessen feiert man im ganzen Lande am "juldagen" (erster Weihnachtstag) um 7 Uhr in der Frühe "julotta", einen stimmungsvollen Weihnachtsgottesdienst, der sehr gut besucht wird.

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Auf dem Heimweg gegen 8.15 Uhr

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Wie am Heiligen Abend wird auch am ersten Weihnachtstage gegen 16 Uhr festlich getafelt.
Der
"annan juldagen" (zweiter Weihnachtstag) ist ein Familientag wie wir ihn auch kennen.

 

 

 

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Jahreswechsel

Üblicherweise feiern wir den Jahreswechsel hier oben gemeinsam mit Freunden und Bekannten in ruhiger Atmosphäre und bei feinem Essen im Gemeindesaal.
Der Jahreswechsel von 2007 nach 2008 fiel jedoch aus der Reihe. Ganz Malå war auf den Beinen, denn Malå hatte Grund zu feiern: Nach neun Jahren der Zwangsvereinigung mit der Nachbarkommune Norsjö erlangten die Bürger von Malå dank ihrer Hartnäckigkeit vor genau einem Vierteljahrhundert ihre kommunale Selbständigkeit zurück!
Diese Fünfundzwanzigjahrfeier wird von einem mehrere Tage dauernden Rahmenprogramm begleitet, auf welches einzugehen den Rahmen meines Berichtes über unseren Aufenthalt im Wintermärchenland Lappland sprengen würde.
(Sollten Sie jedoch Informationen zu der Themenwoche wünschen, so darf ich Sie auf www.mala.se verweisen.)

Lassen Sie mich deshalb in Kurzform von der Neujahrsnacht erzählen:
Um 20 Uhr trafen wir uns zum üblichen Silvesteressen mit Freunden und Bekannten. Gegen 23.45 Uhr hielt der Kommunalråd der Kommune, Arne Hellsten, vor mehreren hundert mit Fackeln ausgestatteten Bürgern vom Balkon des alten kommunhuset (Rathauses) aus seine "Freiheitsrede". Der Jahreswechsel wurde vom Geläute der benachbarten Kirche und von dem üblichen "Silvester- Feuerwerk" begleitet.
Angeführt von Kyrkoherde Christer Svensson begaben sich die vor dem alten Rathaus
versammelten Menschen hinunter zu dem am Malån gelegenen Sjöpark.
In einer von Bürgern des (Malå zugehörigen) Dorfes Lainejaur errichteten Schneekirche, die eher an ein Amphitheater erinnerte, zelebrierte Kyrkoherde Christer Svensson einen Gottesdienst.
Nach dem stimmungsvollen Gottesdienst traf man sich im Församlingshem in gemütlicher Runde zu einem etwas angereicherten Kirchenkaffee.

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Das eigentliche Weihnachtsfest klingt an "trettondagen", dem dreizehnten Tag nach Weihnachten, dem 6. Januar also, aus. Sinnigerweise stellt man an diesem Tage in den Kirchen einen Kranz mit vier Kerzen auf. Jeweils nach einem Gebet wird eine Kerze gelöscht, bis alle vier Kerzen erloschen sind.

 

Im Rahmen dieser Zeremonie und zum Ausklang des Weihnachtsfestes werden nochmals nahezu alle Weihnachtslieder gesungen.

 

Doch so schnell geben die Schweden nicht auf. So ganz ist Weihnachten noch immer nicht beendet. Erst am "tjugondag jul" (siebzehnten Tag nach Weihnachten), auch "tjugondag Knut" genannt (Namenstag des Heiligen Knut), beginnt die "julgransplundring", die Weihnachtsbaumplünderung. Dabei wird der Weihnachtsbaum keinesfalls zum Fenster hinaus geworfen, wie man es in Deutschland annimmt. Vielmehr wird ab diesem Tage das Schmuckstück allmählich seiner Zier entledigt, bis es dann nach einigen Tagen auf dem Verbrennungsplatz für die "valborgmässan", der Walpurgisfeier (am 30. April) endet.

 

Und ganz Schweden fiebert nun dem "midsomardagen" (Mittsommertag), dem zweit wichtigsten Fest im Jahreskreis, entgegen.

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse!

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© Bernd Klotz